Neue Studien ueber Hypnotismus, Suggestion und Psychotherapie / von H. Bernheim ; uebersetzt von Sigm. Freud.
- Hippolyte Bernheim
- Date:
- 1892
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Credit: Neue Studien ueber Hypnotismus, Suggestion und Psychotherapie / von H. Bernheim ; uebersetzt von Sigm. Freud. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Soliliissbetniclitung. 370 ich habe keine durch Suggestion erzeugen gesehen. Ich kenne viele Personen, deren Intelligenz durch die Suggestion wieder hergestellt und leistungsfähig geworden ist, nicht eine, deren Intelligenz durch sie gelitten hätte. Natürlich kann die Suggestion nicht gegen alle eventuellen Erkrankungen des Nervensystems schützen. Unter den zahlreichen Neuropathen, welche nach dieser Behandluugsmetliode greifen, gibt es ja Personen, die zur Geistesstörung bestimmt sind; diese werden durch die Suggestion weder geheilt noch vor ilir bewahrt. Unter diesen Neuropathen gibt es Personen, bei denen später der jetzt schlummernde Keim zu einer Geliirnkrankheit oder zur Geistesstörung seine Ent- wickeluug nehmen wird. Daun der Suggestion zuschreiben, was auf Rechnung der angeborenen Anlage kommt, das liiesse einen klinischen Irrthum begehen, gegen den ich kraft meiner langen klinischen Erfahrung protestiren darf. Auch unter den Neuropathen, die man mit Brom und Valeriana behandelt, findet sich eine grosse Anzahl von solchen, die eines Tages ihren ursprünglichen Organisationsfehler zu büssen haben. Darf man darum das Brom, die Valeriana, die Hydrotherapie anklagen, Hysterie und Geistesstörung zu erzeugen? An Tausenden von Personen haben Aerzte, wie Liebault (Nancy), Dumontpallier, Dejerine, August Voisin, Berillon (Paris), Fontan und Segard (Toulon), Schrenk-Notzing (München), Forel (Zürich), Ladame (Genf), Krafft-Ebing (Wien), Hirt (Bres- lau), Tukey (London), Van Eenterghem und Van Eden (Amster- dam), Moll (Berlin), Wetterstrand (Stockholm), und so viele andere, welche sich unserer Schule angeschlossen haben und die Suggestion zu Heilzwecken üben, von deren Anwendung nicht den mindesten ernstlichen Nachtheil gesehen. Die Suggestion heilt oft, lindert, wo sie nicht heilen kann, und ist unschädlich, wo sie auch nicht lindert. Die suggestive Psychotherapie macht ihren Weg, wie alle Wahr- heiten, trotz der unzutreffenden Anklagen der Einen, trotz des Vor- urtheiles Anderer, Avelche es vermeiden, sich für diese Studien zu interessiren, weil sie ihre Voreingenommenheit nicht loswerden können, oder weil sie nicht den Muth haben, der Jahrhunderte alten Gering- schätzung zu trotzen, welche sich immer noch an das Wort Magnetismus knüpft, seitdem die Akademie, die den Weizen nicht von der Spreu zu sondern verstand, es mit ihrem Bann belegte. Ich empfange täglich zalilreiche Kundgebungen, die mich über so manches verächtliche Läclieln zu trösten wissen. „Ich protestire dagegen, sagt der Professor Ewald, „dass man das Hypnotisiren als eine ärztliche Verrichtung anselien dürfe, p]ine solclie gründet sich auf ärztliche Kunst und ärztliche Wissenschaft. Was aber der erste beste Schäfer und Curpfuscher ausüben kann, wenn er nur genug Selbstvertrauen dazu mitbringt, das hat keinen Anspruch auf diesen Namen. Mit ebensoviel Reclit könnte man sagen, dass die Anlegung eines Pflasters, die Darreiciiung eines Lavenients, die Compression einer verletzten Stelle zum ZAvecke der Blutstillung keine ärztlichen Verri(;htungen sind. Icli glaube üln-igens auf den vorstehenden Seiten gezeigt zu haben, dass die suggestive Tlierapie eine Kunst und eine Wissensdiaft](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24762271_0395.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)