Parasitologische Untersuchungen bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus, Darmtyphus, Blattern, Kuhpocken, Schafpocken, Cholera nostras, etc. / von Ernst Hallier.
- Date:
- 1868
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Credit: Parasitologische Untersuchungen bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus, Darmtyphus, Blattern, Kuhpocken, Schafpocken, Cholera nostras, etc. / von Ernst Hallier. Source: Wellcome Collection.
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![Ich habe in der Tafel II. Figur 35 ein Beispiel ausgeführt, wie die Conidien des nämlichen vorhin erwähnten Brandpilzes (Fig. 33) in flüssi- gen Medien ihren Micrococcus ausbilden (Taf. II. Fig. 34, a,d), wie dabei die Mutterzelle sich mehrfach theilt (Fig. 34, h,c,f,g] uud zuletzt, indem die Wände sich auflösen, der Micrococcus die ursprünglichen Grenzen überschreitet (Fig. 34, c, g). Auf trocknerem Boden von hohem Stick- stoffgehalte bildet sich ebenso häufig Micrococcus aus, aber derselbe tritt in ganz anderer räumlicher Anordnung auf und ist eben deshalb gänzlich verkannt worden. Ich habe schon früher mehrfach auf trockenem, in trockner Luft befindlichem Fleisch die Beobächtimg gemacht, dass die aus der Luft darauf fallenden Schimmelsporen nicht keimen, sondern Micro- coccus ausbilden. Ist die Luft sehr trocken, so vermehrt sich dieser Mi- crococcus in Kettenform. Die Ketten [Mycothriz) bilden seitliche Ana- stomosen und treiben nun äusserst zarte fructificirende Fäden, durch jene Fusionen sich gegenseitig verstärkend und einen förmlichen Filz bildend. Ich habe schon gelegentlich darauf hingewiesen, dass jene Mycothrix- Filze grosse Analogie mit den Sclerotium-'Bi\diüx\^cn zeigen. In neuerer Zeit fand ich aber wirklich Sclerotien auf, welche durch den Micrococcus der gemeinen Schimmelpilze gebildet werden. Die Form der Sclerotien ist eine allgemeine. Sie entsteht überall da, wo Pilzzellen gleicher Form und Abstammung in so grosser Zahl zur Ausbildung gebracht werden, dass sie auf trockneni Boden sich aus ein- fach geometrischen Gründen nicht zu Keimfäden entwickeln können. So entsteht z. B. das Mutterkorn. In dem süssen Saft der Blüthe der Cerealien und Gräser finden sich zuerst einzelne Hefezellen oder Coni- dien der Sphacelia segehcm Lev. Diese keimen und bilden die fructifici- renden Fäden der Sphacelia, deren abfallende Conidien nun in so unge- heuren Massen in die erwähnte Flüssigkeit gerathen, dass sie dieselbe absorbiren und gar keinen Baum mehr haben, sich zu Keimfäden zu ent- wickeln. Sie dehnen sich aber noch aus und vermehren sich noch durch Zweitheilung. So bilden sie den grossen, schwammigen, zuletzt festen Körper, den man als Mutterkorn bezeichnete^). Genau so verhalten sich die Micrococcus-Zellen von Penicillium und Aspergillus bei der eigenthümlichen Erscheinung, die man in neuerer Zeit mehrfach an den von den Coiffeuren benutzten Haaren bemerkt hat. Herr Dr. Beigel in London hatte die Güte, mir solche Haare einzu- senden. Sie zeigten hie und da Knötchen (Taf II. Fig. 24, a, h, c), welche das Haar ganz oder theilweise umfassen und schon bei schwachen Ver- grösserungen sehr zarten zelligen Bau erkennen Hessen. Die kleinsten und jüngsten Knötchen bestehen aus Micrococcus, welcher in kleinen 1) Vgl. meine Phytopathologie Taf. II. Figg. 20—24.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21959158_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)