Parasitologische Untersuchungen bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus, Darmtyphus, Blattern, Kuhpocken, Schafpocken, Cholera nostras, etc. / von Ernst Hallier.
- Date:
- 1868
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Credit: Parasitologische Untersuchungen bezüglich auf die pflanzlichen Organismen bei Masern, Hungertyphus, Darmtyphus, Blattern, Kuhpocken, Schafpocken, Cholera nostras, etc. / von Ernst Hallier. Source: Wellcome Collection.
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![Haufen die betreffende Stelle bedeckt. In den grösseren Knoten sind die Zellen weit grösser (Taf. II. Fig. 25) und haben sich aneinander abge- plattet, so dass sie ein Scheinmycelium bilden. Man sieht nun deutlich, dass sie je einen grossen Kern besitzen und dass der Kern in Zweithei- lung, sehr häufig auch in Viertheilung begriflfen ist. Es erinnert also diese Bildung entfernt an die Viertheilung bei niederen Algen [Meris- mopoedia, Pleurococcus u. a.), aber es kann beim ersten Anblick keinem Zweifel unterliegen, dass hier eine Pilzbildung vorliegt. Dafür zeugte denn auch das optische und chemische Verhalten dieser Zellen. Die Zellen dieser compacten Knoten zeigen in ihrer Vermehrungs- weise grosse Aehnlichkeit mit denjenigen, welche ich als Kolonieenhefe (Sarcina-Form) bezeichnet habe und in der That gehören sie auch ihrem Ursprünge nach dahin'). Nur die Aggregatform ist hier eine an- dere. Durch das dichte Zusammendrängen einer ungeheuren Anzahl von Pilzzellen, die noch in fortwährender Theilung begriffen sind, bildet sich nämlich ein Scheinmycelium ganz wie beim Mutterkorn, d. h. es ent- steht ein Sclerotium. Gewiss ist es angemessen, diese Chignon-Knötchen fortan mit dem Namen Sclei'otium Beigelianuin zu bezeichnen, wenn man nur festhält, dass Sclerotium keine Pilzgattung, sondern eine bei sehr vielen Pilzen vorkommende Morphe bedeutet. Um zu erfahren, welchem Pilz das Sclerotium Beigelianum seinen Ursprung verdankt, cultivirte ich dasselbe in mit Feuchtigkeit gesättigter filtrirter Luft. Die Sclerotien zerfielen allmähHg in ihre Zellen, wobei die Mutterzellenwände sich auf- lösten (Taf. II. Fig. 26). Die Einzelzellen keimten (Fig. 26, k] und brachten schon nach we- nigen Tagen Pinsel von Penicillium hervor (Fig. 26, ^). Bei einigen we- nigen Sclerotien bildeten sich nur Keimlinge von Aspergillus, so dass man beiden Pilzen einen Antheil an dieser Knötchenbildung zuerkennen muss. Der ganze Vorgang besteht also darin, dass der Micrococcus von Pe- nicilliu?n crustaceum Fr. und Aspergillus glaucus Lk. auf dem Haar zur Ausbildung kommt, dass die 3Iicrococcus-Ze\\en zu Sporoiden anschwel- len, welche ihrer ungeheuren Anzahl wegen so^vxq in Folge des zu trock- nen Bodens nicht zur Keimung gelangen, sondern, massenhaft zusam- mengedrängt, sich auf fortgesetzte Zweitheilung nach einer oder zwei Richtungen beschränken müssen. So bilden sie das Sclerotium. So einfach und klar auch dieser Vorgang ist, so glaubte ich diese Erklärungsweise doch durch künstHche Anzucht der nämlichen Sclerotien aus den Sporen von Penicillium und Aspergillus als richtig beweisen zu müssen. 1) Vgl. meine „Gährungserscheinungen Figg. 41. 42 der beigegebenen Tafel.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21959158_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)