Die Brille als optisches instrument / von M. von Rohr.
- Louis Otto Moritz von Rohr
- Date:
- 1911
Licence: In copyright
Credit: Die Brille als optisches instrument / von M. von Rohr. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
163/192 page 149
![Verzeichnungsfreiheit für endliche Hauptstrahlneigungen keineswegs erreicht ist, und der Grund dafür ist in der analytischen Behandlung zu suchen. Es scheint übrigens unmöglich zu sein, eine einfache dünne Linse mit sphärischen Grenzflächen herzustellen, die für eine Blende von endlichem — nicht verschwindendem — Abstände die ferne Ebene verzeichnungsfrei in die Brennebene abbildet. Der von M. Tscherning [2. 245—246.) dafür vor- geschlagene Näherungsansatz gibt nur die Bedingung für die Aberrations- freiheit des scheinbaren Drehpunktes, und er müßte noch durch einen Ausdruck ergänzt werden, der sich auf die Tangentenbedingung bei kleinen Neigungswinkeln bezieht. Diskutiert man mit A. König (1.248—249.) und M. von Rohr den Ausdruck V — 0 für er = 0, so ergibt sich für das Geltungsbereich der Annäherungsformeln die Unmöglichkeit, die obige Forderung zu erfüllen. Ungefähr den gleichen Standpunkt nimmt eine spätere Arbeit desselben Verfassers (3.) ein, in der sich dieselben Ableitungen, zum Teil dieselben Figuren und dieselben Tabellenwerte finden wie in der eben besprochenen. Unter den Zusätzen interessiert hier die Mitteilung]) besonders, daß sich die Pariser Firma F. Benoist, L. Berthiot et Gie bereit erklärt habe, die Wollastonsehe Form der punktuell abbildenden Gläser als verzeichnungs- freie Brillengläser (verres orthoscopiques) regelmäßig anzufertigen. Aus der beigegebenen Figur 5 b sieht man allerdings, daß ein solches Glas mit Di = + 1 0 dptr weder frei von Astigmatismus schiefer Büschel noch frei von Verzeich- nung ist. Den Beschluß bildete ein Apparat zur Messung der Brennweite eines Brillenglases, der das Prinzip des PoRROschen Phozometers enthält, wonach man dicht vor das zu messende System einen Kollimator bringt, der das Bild einer Marke im Unendlichen unter einem genau bekannten Winkel entwirft. Mißt man die Ausdehnung des Bildes, das die zu messende Linse entwirft, so kann man unter Vernachlässigung der Verzeichnung sehr einfach die Äquivalentbrennweite ermitteln. § 125. Noch einige Zeit bevor die TscHERNiNGSche Arbeit (£.) er- schien, nämlich im Spätherbst des Jahres 1903, hatte M. von Rohr [1.) mitgeteilt, daß er von A. Güllstrand2) darauf aufmerksam gemacht worden sei, wie der Augendrehpunkt bei der Konstruktion gewisser optischer Instrumente berücksichtigt werden müsse. Es handelte sich damals um die 1) Diese findet sich bereits in dem Vortrage G. Lindsay Johnsons [1.) vom 17. Oktober 4 905 vor der Londoner Ophthalmologischen Gesellschaft. 2) Die erste vollständige Mitteilung darüber findet sich in einem an C. Zeiss gerichteten Briefe vom 3. September 1901.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21287508_0163.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


