Volume 1
Lehrbuch der Nervenkrankheiten : für Ärzte und Studierende / von H. Oppenheim.
- Date:
- 1905
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Credit: Lehrbuch der Nervenkrankheiten : für Ärzte und Studierende / von H. Oppenheim. Source: Wellcome Collection.
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![resp. die mit ihr verknüpfte Dehnung der Muskeln auf reflektorischem Wege eine Spannungszunahme, eine Steigerung des Äluskeltonus erzeugt (Westphal, Hering, Foerster), aber diese ist so gering, dass sie der passiven Bewegung erst an ihrem Endpunkt einen fühlbaren Wider- stand entgegensetzt. Ferner kann eine pathologische Spannung da- durch vorgetäuscht werden, dass der Kranke die Muskeln aktiv und zwar absichtlich oder, wie es gewöhnlich der Fall ist, unbewusst — aus Ungeschicklichkeit, weil er nicht weiss, was er soll, oder in ängst- licher Erwartung und Erregung — anspannt. Er ist also zu ermahnen, dass er die Gliedmassen ganz dem Untersuchenden überlasse und jede Spannung vermeide, man belehre ihn, wie eine Entspannung der Muskeln die passiv erhobene Extremität der Schwere folgen lässt, so dass sie herabfällt etc. Wo auch das nicht ausreicht, suche mau die Aufmerksamkeit anderweitig in Anspruch zu nehmen, dadurch, dass man ihn geistig beschäftigt, ihm Rechenexempel vorlegt und dgl. Erst wenn das passiv erhobene Bein der Schwere nach auf die Unterlage niederfällt, ist dieser störende Faktor als beseitigt zu betrachten und das weitere Resultat der Untersuchung zu verwerten. Die pathologischen Sp annnngszustände, die Hypertonie der Muskulatur, verraten sich 1. durch eine Erschwerung der passiven Bewegungen. Bei den höheren Graden dieser Störung macht sich die Erschwerung bei jedem Bewegungsversuch geltend. Versucht man, das Bein im Hüftgelenk zu abduzieren, so tritt sofort die Spannung der Adduktoren sicht- und fühlbar zu Tage, — und es wird nicht das Bein nach aussen bewegt, sondern das ganze Becken. Es gehört ein gewisser, -manchmal selbst erheblicher Kraft- aufwand von seiten des Untersuchenden dazu, um diese Spannung zu überwinden, und sobald er nachgiebt, kehrt die Extremität in die ursprüngliche Stellung zurück. Derselbe durch die Untersuchung bedingte Widerstand macht sich in den anderen Gelenken geltend und setzt den passiven Bewegungen ein mehr oder weniger beträchtliches Hindernis entgegen. Gewöhnlich haben wir es nicht mit diesen höchsten Graden, sondern mit einer geringeren Zunahme des Muskeltonus zu tun, die erst dadurch deutlich wird, dass sie durch den Versuch der ]>assiven Bewegung reflektorisch gesteigert wird. Da gelingt es denn, die passiven Bewegungen langsam in ganzer Ausdehnung und ohne be- sonderen Widerstand zu bewerkstelli2:en. Aber sobald man den Aersuch in brüsker Weise ausführt, die Extremität schnell und kraft- voll bewegt, stellt sich die Muskelspannung ein. Namentlich bei der Abduktion des Beines im Hüft-, bei der Beugung desselben iin Knie- gelenk tritt diese Spannung hervor. Und zwar beachtenswerter AA^eise im ersten Aloment des Versuchs, dann lässt sie gewöhnlich nach und die weitere Ausführung der Bewegung ist nicht mehr behindert. Die Erhöhung des Muskeltonus, die Aluskelsteifigkeit, Aluskel- rigidität oder der spastische Zustand der Muskulatur giebt sich 2) zu erkennen durch die Steigerung der Sehnenphänomene. Wegen der innigen, wenn auch nicht festen und konstanten Beziehung der Sehnenphänomene zu dem Aluskeltonus ist es zweckmässig, die Prüfung derselben der der passiven Beweglichkeit unmittelbar folgen zu lassen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925379_0001_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


