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Credit: Zur Casuistik der Gaumenschüsse / von A. Koehler. Source: Wellcome Collection.
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![Anfang sehr gross sind.') Bei einem Schuss in den Mund ist es für die benachbarte Haut und Schleimhaut wahrscheinlich auch nicht ohne Bedeutung, ob der Mund dabei weit offen stand, oder um den Lauf der Schusswaffe herum fest und krampfhaft geschlossen war.1 2) Die enormen Unterschiede von der einfachen Verbrennung, ohne oder mit den scharfen, strahlenförmig um den Mund in der Haut der Lip- pen und Wangen gelegenen Platzwunden bis zur Zerreissung und explosionsähulichen Zersprengung der Weichtheile der Mundhöhle bei geringer Verschiedenheit der Waffe und Ladung lassen sich vielleicht zum Theil darauf zurückführen.3) Lebensgefährlich werden Gaumen- wie Gesichtsschüsse auch, ohne die Basis erreicht zu haben, durch Blutung und Erstickung; diese kann durch Blutcoagula, durch das Zurücksinken der Zunge und durch Emphysem, gewiss auch durch acute Schleimhautschwel- lungen bedingt sein. Solche Fälle theilen Beck (1. c. S. 309, Fall 2) und Löffler (1. c. Fall 65, 66 und 68) mit. Körte berichtet in Langenbeck’s Archiv (Bd. XXV. S. S41) über einen Schuss in den Mund mit einem mit Wasser geladenen Terzerol: Mundspalte, weicher Gaumen, Zunge zerrissen, beträchtliche Blutung, vom harten Gaumen Splitter abgesprengt. Am nächsten Tage starke Schwellung, Athem- noth — Cricotracbeotomie, Heilung in ca. D/a Monaten. Die Gefahr einer im Verlaufe sich entwickelnden Phlegmone ist natürlich um so grösser, je tiefer sie sitzt und je schwieriger es ist, für freien Abfluss zu sorgen und Senkungen zu vermeiden (Richtung des Schusskanals). Bei Blutungen, namentlich Spätblutungen, liegt die Schwierigkeit darin, dass man die blutenden Gefässe kaum er- kennen und fassen kann, und dass bei Blutungen aus dem gefürch- teten Winkel der Fossa sphenopalatina auch die Unterbindung der 1) Namentlich für Gesichtsschüsse: Bardeleben 1. c. S.300, v. Beck 1. c. S.423, Löffler 1. c. S. 57, 107, 119,127; ferner v. Bergmann, Die Lehre von den Kopfverletzungen. Lief. 30 der Deutschen Chirurgie. S. 253; S ocin, Kriegs- chirurgische Erfahrungen. Leipzig 1872. S. 68. 2) Bardeleben 1. c. S. 422; ferner Berlin-, Verletzungen der Orbita (in Gräfe-Sämisch, Handbuch der Augenheilkunde. S. 615 (XI. Kapitel), spricht aller- dings nicht von diesem Unterschied, aber von dem „expansiven Druck der Pulver- explosion“ bei Schüssen in den Mund. Vergl. auch die unten (S. 389) berichteten Schiessversuche. Auf die Platzwunden in der Haut hei Naheschüssen resp. Schüs- , sen mit Auf setzen der Mündung hat zuerst Skrzeczka aufmerksam ge- macht (Vierteljahrschr. für ger. Med. Bd. X [1869]. S. 146). 3) Die plötzliche starke Expansion der Gase in der krampfhaft geschlossenen Mundhöhle wird nach allen Seiten und deshalb betreffs dieser ,.Nebenverletzungen anders wirken als bei weit offenem Munde.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22443307_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


