Experimentelle und histologische Untersuchungen über die Entstehung und Ursachen der skrophulösen und tuberkulösen Gelenkleiden : nebst Studien über die tuberkulöse Infection und therapeutischen Versuchen.
- Schüller, Max, 1843-1907.
- Date:
- 1880
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Credit: Experimentelle und histologische Untersuchungen über die Entstehung und Ursachen der skrophulösen und tuberkulösen Gelenkleiden : nebst Studien über die tuberkulöse Infection und therapeutischen Versuchen. Source: Wellcome Collection.
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![die Infection an und für sich zu geringfügig ausgefallen sein, so dass das Thier im Stande war, dieselbe selber wieder zu überwinden. Es erfolgte augenscheinlich eine spontane Heilung, wie wir sie schon oben statuirten (siehe S. 42) und ja bei den gleichen Prozessen auch zuweilen am Menschen beobachten können. Wie weit diese Ueberimpfungen getrieben werden können, habe ich noch nicht zur Entscheidung gebracht. Weiterhin geht aber das klar aus diesen Versuchen hervor, dass thatsächlich die inficirenden Substanzen bei den von den Lun- gen aus tuberkulös gemachten Thieren in das Blut übergehen, in diesem enthalten sind. Im Anschluss hieran will ich noch hervorheben, dass Einspritzun- gen von gesundem Kaninchenblut in die Lungen die eben geschil- derten Erscheinungen nicht zur Folge haben, noch auch käsige Pneu- monien. Ich habe solche Versuche öfter bei früherer Gelegenheit ge- macht. Das Nämliche ist übrigens auch von andern Autoren insofern constatirt, als sie nach der Einspritzung gesunden Kaninchenblutes in die Lungen keine Tuberkulose entstehen sahen 1). 2. Die Localisirung der Gelenkentzündung im contundirten Gelenke. Durch diesen Nachweis sind die Beziehungen der Injectionen tuberkulöser Massen in die Lungen zu den Gelenkentzündungen ein gut Theil klarer geworden. Denn es liegt nichts näher als die An- nahme, dass die in dem Blute enthaltenen inficirenden Substanzen • mit demselben in das Gelenk gelangen und daselbst zur Entzündung dis- poniren oder dieselbe veranlassen. Zu beantworten ist jedoch zunächst die Frage: Wie ist es zu erklären, dass die Entzündung sich stets auf das contundirte Gelenk beschränkte? Thatsächlich war dieses das wesentlich und charakteristisch erkrankte. Einige Male sah ich allerdings auch im anderen Kniegelenke Andeutungen einer Gelenkentzündung; aber dieselbe war doch stets nur höchst geringfügig, beschränkte sich in allen Fällen höchstens auf die Initialerscheinungen einer Synovitis serosa, und nur in einem später mitzutheilenden Falle fand sich eine eiterige Gelenkentzündung, während das contundirte Gelenk durchgehends in charakteristischer und hervorragender Weise erkrankt war. Vergegenwärtigen wir uns, um dieser Frage näher zu treten, die zahlreichen über die einzelnen Gewebsanordnungen des Gelenkes verstreuten grösseren und kleineren resp. kleinsten Blutaustritte, welche wir oben als einen regelmässigen Befund nach der Contusion des Gelenkes beschrieben haben, so kann man an die Möglichkeit denken, dass bei den inficirten Thieren das ergossene Blut eine stärkere An- an der das Thier zu Grunde ging. Injectionen von gesundem Blute haben diesen Erfolg nicht. ]) Vergl. die Versuche von Nothnagel (Virchow's Archiv. Bd. 71. S. 314. Zur Resorption des Blutes aus dem Bronchialbaum) und die früheren von Perl und Lipmann (Ebendas. Bd. 51. S. 552. Experimenteller Beitrag zur Lehre von der Lungenblutung). Auch diejenigen Sommerbrodt's (Ebendas. Bd. 51. S. 165. Hat das in die Luftwege ergossene Blut ätiologische Bedeutung für die Lungen- schwindsucht?) können hier angeführt werden: Injectionen von Blut gesunder Hunde hatten bei solchen keine tuberkulösen Erkrankungen zur Folge.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2100464x_0059.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


