Lehrbuch der Psychiatrie / bearb. von E. Schultze [and others] und den Herausgebern O. Binswanger und E. Siemerling.
- Otto Binswanger
- Date:
- 1920
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Credit: Lehrbuch der Psychiatrie / bearb. von E. Schultze [and others] und den Herausgebern O. Binswanger und E. Siemerling. Source: Wellcome Collection.
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![wartig wohl zweifellos übertreffen. Daneben ist zu bedenken daß es auch sonst kaum ein psychisches Krankheitsbild gibt, dessen’Züge imd /«Tnih paJa|y\ca nicl?t wenigstens zeitweise annehmen könnte, und daß neben den chronischen, innerhalb eines Zeitraumes von 2—3 tfo ülröv^'tllfoi, fü'lr®nd;n ,Fällen einerseits solche von ganz akutem nai,rak f (galoppierende Paralysen), andererseits solche lauf stehen1 dent 1<dl scIllePPendem, über viele Jahre hingezogenem Ver- ■ , A]us, d’e£e[ Variabilität der psychischen Zustandsbild’er ergeben sich auch auf der Hohe der Krankheit nicht selten erhebliche dia¬ gnostische Schwierigkeiten, die noch dadurch gesteigert werden daß eine genügende körperliche Untersuchung bei den sehr erreirten Kranken vielfach längere Zeit nicht möglich ist. g i I™ allgemeinen sind für die Diagnose der Dementia r,ara- lytica folgende Gesichtspunkte von Bedeutung: Bei jeder im Alter von 30 50 Jahren erstmalig erscheinenden Geistes- sV'hiwl W ö v,le 1 ■ t'J 611\ i ,C f1d a S Vorhandensein bestimmter Schädlichkeiten (Alkohol, andere Infektionen) zu einer ande¬ ren Deutung nötigt, ist insbesondere beim männlichen Geschlecht an Dementia paralytica zu denken und ihr uIrninffenaSein dur1cll.ei?e genaue, auf gründliche Beherrschung d®L^oeFtndenr “eu™lo&lschen Untersuchungsmethoden (siehe oben) gestuLzte körperliche Untersuchung ausdrücklich auszuschließen. •ni;a,sselbe glIt von den in diesem Alter vorkommenden, scheinbar einfachen neurasthemschen und hypochondrischen Zu- st an den zumal dann, wenn solche auftreten, ohne daß erschöpfende nflusse auf die betreffenden Individuen eingewirkt haben oder ihre konstitutionelle Grundlage nachweisbar ist. — Der Nachweis einer stattgehabten syph11 i tis chen In fek tion steigert von vornherein die Wahrscheinlichkeit der paralytischen Natur der psychisch-nervösen Erkrankung, er beweist sie aber nicht, da auch bei syphilitisch Infizierten einfache funktionelle Psychosen und Neurosen Vorkommen. Auch das gleichzeitige Vorhandensein gewisser, auf cere- braJe oder spinale Syphilis zu beziehender organischer Störungen innerhalb des Zentralnervensystems rechtfertigt die Diagnose Demeutia paralytica“ an und für sich nicht, da cerebrale S^hiUs plut w*!na s 1 h e n 1 ® vorliegen kann. — Ebensowenig darf ein Zusammen¬ bestehen von Tabes und Geistesstörung ohne weiteres zur Annahme einer Paralyse verführen, da es sich um ein einfaches Nebeneinander der Rückenmarkskrankheit und etwa eines manisch- depiessiven Anfalls handeln kann. Gerade hier können Verwechs¬ lungen wegen der Verschiedenheit der Prognose recht peinlich sein lm einzelnen gründet sich die Diagnose, abgesehen von der Rintwicklung- des Leidens, auf die eigenartige geistige Schwäche nilf»8““1’'» Es kommen vor allem in Betracht: 1. Reflektorische Pupillenträgheit oder -starre. A Sprach- und Schriftstörung. 3. Ungleich eit der Facial isinn erva ti on. 4. k t e i ge r u n g o d e r A u f h e b u n g (A b s c h w ä c h u n g) der Patellar- und Achillessehnen re fl ex e. 5. Der charakteristische Liquor- und Blutbefund. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der zu 5 genannten Bef](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29814054_0418.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)