Allgemeine Physiologie : ein Grundriss der Lehre vom Leben / von Max Verworn.
- Max Verworn
- Date:
- 1915
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Credit: Allgemeine Physiologie : ein Grundriss der Lehre vom Leben / von Max Verworn. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![von Funktionen des Körpers, aber sie lassen sich je nach der ent- sprechenden Form des Pneuma in drei Gruppen teilen, deren jede durch eine dem betreffenden Pneuma entsprechende Kraft (86va{us) ausgeübt wird. Die psychischen Funktionen umfassen Denken, Empfinden und willkürliche Bewegung, die spliygmischen Funk- tionen Herzschlag, Puls und Wärmebildung, die physischen end- lich die Ernährung, das Wachstum, die Sekretion, die Fortpflanzung und die dazu in Beziehung stehenden Tätigkeiten. In der Leber wird das Blut gebildet. Hier entspringen die Venen. Durch diese gelangt das Blut in die rechte Herzkammer, wo die brauchbaren Teile von den unbrauchbaren gesondert werden, indem die ersteren in die linke Herzkammer transportiert, während die letzteren durch die Lungen- arterie zu den Lungen geführt werden. In den Lungen werden sie durch das Pneuma wieder regeneriert und brauchbar gemacht. Es ist merkwürdig, mit welcher divinatorischen Gabe Galen auf einen Bestandteil der Luft als das Pneuma hingewiesen hat, dessen Natur er noch nicht ahnen konnte. Galen spricht nämlich ganz deutlich die Vermutung aus, daß es einmal gelingen würde, denjenigen Be- standteil in der Luft zu isolieren, der das Pneuma bilde. Mehr als ein und ein halbes Jahrtausend hat es gedauert, ehe Galens Ver- mutung durch Priestleys und Lavoisiers Entdeckung des Sauerstoffs bestätigt wurde. Das durch die Aufnahme des Pneuma in die Lungen wieder regenerierte Blut fließt dann durch die Lungenvenen ins linke Herz, von wo es, mit dem übrigen brauchbaren Blut vereinigt, durch die Aorta und ihre Verzweigungen im ganzen Körper umhergetragen wird. Die Anschauungen Galens über das Nervensystem sind ebenso interessant. Im Gehirn und Rückenmark liegt der Ursprung der Empfindungs- und Bewegungstätigkeit der Nerven. Die bewegenden Nerven treten in Wirksamkeit, indem sie wie Stricke an den beweg- lichen Organen ziehen. In der speziellen Nervenphysiologie unter- suchte Galen experimentell den Zusammenhang des Nervus vagus und der Zwischenrippennerven mit der Atmung und Herztätigkeit, und machte Rückenmarksdurchschneidungen der Quere und Länge nach, Versuche, die beweisen, wie tief er bereits in das Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Organen des Körpers eingedrungen sein mußte. Galens physiologisches System war für die damalige Zeit ein monumentales Werk, und es ist sicherlich nicht allein der gäuzlichen Unfruchtbarkeit des Mittelalters auf wissenschaftlichem Gebiet zuzu- schreiben, daß die Anschauungen Galens dreizehn Jahrhunderte als unantastbarer Kodex der Medizin bestehen blieben. Im ganzen Mittel- alter tat die physiologische Forschung nicht einen Schritt in der Ent- wicklung vorwärts. Die Araber, welche die antike Kultur übernommen hatten, waren zwar als Aerzte bedeutend, aber ein selbständiges Forschen, ein physiologisches Denken verbot ihnen allein schon der Koran. Selbst Avicenna (Ibn S!na [980—1037]), der berühmteste unter den arabischen Aerzten, der auch philosophische Neigungen ver- riet, leistete nichts Selbständiges. Sein System war mit geringen Aenderungen das des Galen, dessen Ruhm er durch sein eigenes gewaltiges Ansehen in der ganzen damaligen Kulturwelt verdunkelte. Auch die zahlreichen berühmten medizinischen Schulen, die um diese Zeit in Italien, Frankreich und Spanien entstanden, zogen zwar viele tüchtige Aerzte heran, führten aber die GALENschen Ideen um keinen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29807104_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)