Über die Arzneiwissenschaft in acht Büchern / übersetzt und erklärt von Eduard Scheller.
- Aulus Cornelius Celsus
- Date:
- 1906
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Credit: Über die Arzneiwissenschaft in acht Büchern / übersetzt und erklärt von Eduard Scheller. Source: Wellcome Collection.
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![vor den Augen und Rötung nebst Jucken der Stirn gesellt, werden ent- weder durch eine von selbst eintretende oder künstlich hervorgerufene Blutung gehoben J). Kopf- und Stirnschmerzen, die durch Wind, Kälte oder Hitze entstanden sind, werden durch [einen] Schnupfen und Niesen beseitigt2). Das Brennfieber, welches die Griechen xavöojörjg nennen, hört auf, wenn plötzlich Schüttelfrost eintritt3). Wird ein an Fieber leidender Kranker schwerhörig, so hört dieses Übel gänzlich auf, wenn der be- treffende Kranke Nasenbluten oder Durchfall bekommt4). Nichts leistet gegen Schwerhörigkeit bessere Dienste als das Eintreten galliger Stuhl- gänge 5). Wenn sich in der Harnröhre kleine Abszesse (rpv^ata der Griechen) anfangen zu bilden, so werden die Kranken wieder davon geheilt, wenn sich der Eiter daraus entleert hat6). Da nun die meisten jener oben angegebenen günstigen Umstände (nämlich die ver- schiedenen Arten der Naturhilfe) von selbst entstehen, so kann man daraus den Schluß ziehen, daß auch in bezug auf die Mittel, welche die Kunst anwendet, die Natur das meiste zu leisten hat7). Wenn dagegen bei anhaltendem Fieber Blasenschmerzens) und Kotverhaltung bestehen, so ist dies schlimm, ja tödlich; die größte Gefahr droht aber hierbei Kindern vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre 9). Wenn bei einer Lungenerkrankung in den ersten Tagen kein Auswurf vorhanden ist, dieser aber vom siebenten Tage an eintritt und bis über den siebenten Tag hinaus fortbesteht, so ist dies gefährlich 10); und je mehr die in dem Auswurfe vorhandenen Farben ineinanderlaufen und nicht voneinander getrennt sind, desto schlimmer ist der Zustand. Und J) Aph. VI, 10 und Prorrh. lib. II, Sect. II, p. 90. — 2) cf. Hipp. 1. c. p. 89. — 3) Aph. IV, 58; Coac. 132. — 4) Aph. IV, 60; Coac. 207. — 5) Aph. IV, 28; Coac. 617. — 6) Quib. in fistul. urin. Die älteren Ausgaben lesen hier: „quibus in fistula urinae uti minuti abscessus, neuere haben dagegen: „quibus in fistula urinae minuti abscessus. Die älteste Pariser Ausgabe (1567) hat statt (fi\uar(( ,,'dvfjcda. Diese Stelle des Celsus ist entweder korrumpiert oder Celsus hat hier den Hippokrates nicht richtig interpretiert. Denn sehen wir Cels. V, 28. nr. 9, so finden wir, daß dr.s, was er dort Phyma nennt, wohl nicht gut mit dem o:t\uic des Hippokrates identisch sein kann, indem das Phyma des Celsus gewissermaßen einen „großen Furunkel darstellt und daher nicht, wie das g.v[ia des Hippokrates in der Harnröhre seinen Sitz haben kann. Die Stelle des Hippokrates, welche Celsus hier offenbar vor Augen gehabt hat, steht Aph. IV, 81: oxöaoiat, ip rij oi-Qt)tt-Qr} tpv/tttTa odveku, rouzioiat di«7TV7]G<ci>zog xal ixQuyivzog kvaig. Eine ähnliche Stelle findet sich Aph. VII, 57: 'Oxöooioi ip zrj ovQi'jÜQr} (fvfiata yipezcci, tovrioiat cfia- nvr'jaapzog xal ixQciyit'Tog kvsziu nöpog (dolor solvitur). Aus beiden Stellen geht aber hervor, wie unrichtig diejenigen zu Werke gegangen sind, welche in der vorliegenden Celsianischen Stelle urinae fistula durch „Harnfistel über- setzt haben, während es offenbar nur eine Übertragung des Hippokrates ovQrjftQi] ist, also Harnröhre bedeutet (Scheller). ■— 7) cf. Hipp. vötuog (lex) Sect. I, p. 2, in med. — 8) Scheller übersetzte statt Blasenschmerzen: Kopf- schmerzen, eine Lesart, die Vitelli I u. II auch haben. — 9) Progn. § 19. — 10) cf. Hipp. Progn. Sect. II, p. 8. Oribas. syn. VI, 5. Siehe auch über sputum Paul. Aeg. II, 15.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21175718_0123.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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