Die Wanderniere : ein Beitrag zur Pathologie des intraabdominalen Gleichgewichtes ; experimentell-anatomische Studien / von M.M. Wolkow und S.N. Delitzin.
- Volkov, M. M. (Mikhail Matveevich), 1861-1913
- Date:
- 1899
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Credit: Die Wanderniere : ein Beitrag zur Pathologie des intraabdominalen Gleichgewichtes ; experimentell-anatomische Studien / von M.M. Wolkow und S.N. Delitzin. Source: Wellcome Collection.
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![Fritz fügt zu diesen Ausführungen Cruveilliier's seine eigenen Bemerkungen hinzu. Der Einfluss des Korsettes ist nach Fritz wahrscheinlich ein prädisponirender. Das Korsett dislocirt die Niere aus ihrer Lage; naclits, wenn die Hypochondrien frei werden, wird die Niere wenigstens in der ersten Zeit das Bestreben liaben, an ihren früheren Ort wieder zurückzukelu'en; am Tage, wenn das Korsett angethan wird, verlagert sie sich von neuem: daher jene alltäglichen alternirenden Hin- und Herbewegungen (d'aller et de retour), welclie im höchsten Grade geeignet sind zur Mobilisation eines ektopischen Organes. Von diesem Gedanken ausgehend beschliesst Fritz seine x\rbeit mit folgender schwungvollen Elegie: „Si quelque puissance capable d'operer des miracles pouvait persuader a nos dames de preferer la sante ä l'clegance conventioneile d'ime taille serree, eile aurait, croyons nous, opere la prophylaxie la plus efficace de la mobilit(> des reins. En restant dans le domaine des dieses possibles, nous pouvons peut-etre esperer que quelques malades consentiront a porter un corset peu serre; en insistant sur ce sacrificc ou pourra peut-etre obtenir dans quelques cas une guerison complete ])ar l'emploie des moyens que l'on emploi generalement a titre des simples palliatifs. Fünf Jahre später empfiehlt Dietl, „lange Korsette mit Stahlfedern oder Fiscli- beinplatten als therapeutisches Verfahren; in Fällen geringer Dislokation sollen die Korsette nur um etwas länger sein als gewöhnlich. „Zu den mechanischen Mitteln der Therapie schreibt Dietl, „gehören Korsette, Binden und l>ruchbänder. Becquet erwähnt nur das Korsett als prädisponirende Ursache; Rollet rechnet ebenfalls übermässiges Schnüren zu den Momenten, welche bei Voi'handensein sonstiger Bedingungen zu einer Verlagerung der Niere führen kömien. Allgemein bekannt ist ein Fall, den Trousseau in seinen Vorlesungen über Nieren- beweglichkeit citirt: ein erwachsener Mann, der in kurzer Zeit stark zugenommen hatte, wollte seinen früheren Soldatenrock anziehen; als er dabei den oberen Thcil des Bauches stark zusammenziehen musste, empfand er heftige Schmerzen in der rechten Seile, die sich durch eine rechte bewegliche Niere erklärten. Hier fragt es sich natürlich, ob es sich um eine akute Verschiebung oder um ein Trauma einer bereits dislocirten Niere ge- handelt habe. In Beziehung auf die Therapie der Nierenbeweglichkeit erwähnt Trousseau weniger energisches Zuziehen des Korsettes als wünschenswerth. Roberts, Ebstein und Defontaine sprechen von der Bedeutung der Korsett- schnürung, und Tzschaschel führt weiter aus, dass Senkung der Niere infolge von Schnüren auch von Beweglichkeit derselben begleitet wird, da der ligamentöse Apparat der Niere dabei eine Dehnung erfahre. Im Jahre 1877 erscheinl die für die vorliegenden Fragen grundlegende Arbeit von Müller-Warneck. Dieser Autor überzeugte sich von der grossen Häufigkeit der Sen- kung der rechten Niere bei Frauen oder Mädchen aus der arbeitenden Bevölkerung, in welcher die Sitte sehr verbreitet war, die Röcke sehr eng zuzuziehen, wobei der untere Tlieil des Thorax vom oberen Theile des AbdonuMis abgesehnürl wird. Ausgehend \on der Angabe Uartels's, welcher zufolge die durch den Gürlel nach vorne und innen dislocirtc rechte Niere den unbeweglichen al)steigenden Schenkel des Duodenum comjiri- mirt, beschäftigte sich Müller-Warneck mit dei' Frage des Zusammenhanges der rechts- seitigen Nierenbeweglichkeit mit Magenerweitcrung, beiläufig widmet er aber auch der Frage nach ilvv ik'deuUing des Si-hnürens grosse Aufnierksamkeil. \]v niachle sogar](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21514616_0354.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


