Die Wanderniere : ein Beitrag zur Pathologie des intraabdominalen Gleichgewichtes ; experimentell-anatomische Studien / von M.M. Wolkow und S.N. Delitzin.
- Volkov, M. M. (Mikhail Matveevich), 1861-1913
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Wanderniere : ein Beitrag zur Pathologie des intraabdominalen Gleichgewichtes ; experimentell-anatomische Studien / von M.M. Wolkow und S.N. Delitzin. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The University of Leeds Library. The original may be consulted at The University of Leeds Library.
376/398
![— 328 — dann erweisen sicli die genannten Massregeln bereits als insuffieient. Bei fortgesetzter Beobachtung dieser letzteren kommt nun in Frage Imniobilisirung der Nieren oder mit anderen Worten Reposition der Nieren in ihre normalen Stätten und Wiederherstellung des intraabdorainalen Gleichgewichtes. Die Immobilisirung der Nieren würde schon allein zum Ziele führen, wenn das Wesen der hier in Rede stehenden pathologischen Form nur in einer Dislokation der Niere bestände; thatsächlich aber ist Senkung der Niere nur ein allerdings wesentliches Sjnnptom, in dem von uns beschriebenen pathologischen Zu- stande. Dies ist der Grund, weshalb Nephrorrhaphien in \ ielen Fällen kein befriedigendes therapeutisches Frgehniss herbeiführen. Zudem müssen dem therapeutischen Handeln als Paradigma ])hYsiologische und nicht pathologisciie Proccsse vorschweben, als welch' letztere Verwachsungen der Niere mit der hinteren Bauclnvand sicli darstellen. Der Niere ist eigenthümlich ein gewisser Grad von normaler Beweglichkeit und diese ilire Dislokations- fähigkeit selbst muss als eine zweckmässige anerkannt werden. Von den bei der Nephroptose angewendeten tlierapeutischcn Mitteln gelangt die Applikation eines Bauchgürtels von unserem Standpunkte aus zu voller Berechtigung. Der Zweck solcher Gürtel besteht nicht in Fixation der Niere, sondern in Stützung der vorderen Bauchwand, Wiederherstellung des alterirten intraabdominalen Gleichgewichtes; sie genügen daher den Anforderungen einer kausalen und folglich auch einer rationellen Therapie. Ganz andere Ziele verfolgt die Pelotte, und aus den klinischen Beobachtungen ergiebt sich thatsächlich, dass die therapeutische Wirksamkeit der Pelotte eine viel ge- ringere ist, als die des Bauchgürtels. Anzustreben wäre ferner von einer kausalen Thej'apie eine Korrektion der para- vertebralen Nischen. Zu diesem ZAvecke würden wir orthopädische Apparate, die zur Steigerung der Konkavität der Lendengegend bestimmt sind, in Vorschlag bringen. Kom- bination einer solchen Unterstützung der Nierenregionen und des Bauchgürtels würde den Zwecken einer rationellen Therapie am meisten entsprechen. Bei weiterem Fortschreiten wird sich vielleicht die Möglichkeit gewinnen lassen, auch auf operativem Wege eine Korrektion der Form der paravertebralen Nischen lierbei- zuführen; wir selbst können in dieser Beziehung noch auf keine bestimmten Anha]ts])unkte hinweisen. Unsere Ansicht geht vielmehr dahin, dass bei rechtzeitiger Diagnose der be- trachteten pathologischen Forin tias meiste von der Wirkung prophylaktisclier Methoden zu erwarten steht. In Fällen, wo die l'unktionellen Störungen vorzugsweise durch die bestehende Nierensenkung selbst hervorgerufen werden (worauf die Ergebnisse der Therapie hin- weisen), werden natürlich die verschiedenen symptomatischen BehandlungsmethodiMi, Nepli- rorrhaphie und sogar Neplirektomie ihre Indikationen finden. l'^s fülii-l uns demnacli die exper i m e n t e 11-ana ( om is che Un tcrsuch ung der Entstehung der sogen. Beweglichkeit der Niei-rn zu iler Ueberzeugung, dass die bewegliche Niere das Ergebniss ist einer bestimmten anatomisch-physio- logischen Insnfficienz des Organismus und der Index eines bestimmten pathologischen Typus. Je nach dem Grade, bis zu welchem die Insnfficienz](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21514616_0382.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


