Ein Fall von totaler doppelseitiger Amaurose im Verlauf einer leichten Anaemie / von M. Litten und J. Hirschberg.
- Litten, M.
- Date:
- [1885]
Licence: Public Domain Mark
Credit: Ein Fall von totaler doppelseitiger Amaurose im Verlauf einer leichten Anaemie / von M. Litten und J. Hirschberg. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
2/4
![rechts ca. 0,75 Mm , links 0,4 Mm. Die Substanz des Sehnerveu erschien wenig geröthet und trübe, die Grenzen sehr verschwommen, die Venen stark erweitert und geschlängelt. Im Urin konnte Abnormes nicht nachgewiesen werden. Das Blut erschien dilnnflUssig-hell und hinterliess auf weisser Lem- wand ganz hellrothe oder mehr hellgelbe Flecken. Mikroskopisch zeigten sich die bekannten Formen des „anaemischen Blutes, zahh-eiche Mikrocyten, dann die vielgestaltigen Formen der rothen Blutkörper (Keulen - Birn - Pessarienformen), [Poikilocytose] nebst vereinzelten kernhaltigen rothen Blutkörpern. Die Leukocyten erschienen um ein geringes vermehrt. Bei dem negativen Befund der Organuntersuchung mussten wir die sehr schnell aufgetretene Amaurose, welche ihren Grund unzweifelhaft in der Stauungspapille hatte, auf die zwar massige, aber immerhin durch die Blutuntersuchung sicher gestellte An- aemie zurückführen, für welche ein anderer Grund, als die un- genügende Ernährung freilich nicht vorlag. Andere Ursachen für die Stauungspapillen, namentlich cerebraler Natur, konnten wegen absolut fehlender Anhaltspunkte gar nicht in Frage kommen, ebensowenig eine mit dem Beruf zusammenhängende Affection des Sehnerven (wie z. B. Bleivergiftung), da die Fat. — ohne jede anderweitige Beschäftigung — bei ihren Eltern gelebt und die Wirthschaft geführt hatte. Von Neuritis ful- minans, die unter Umständen ja ebenfalls heilbar ist, konnte nach der vorliegenden Entwicklung der Sehstörung keine Rede sein. Um den Verlauf des Falles klinisch genau beobachten zu können, wurde die Kranke am 18. Juni nach der Charit6 verlegt, und zwar auf die Abtheilung des Herrn Prof. Senator, welcher der Eine von uns (Litten) provisorisch vorsteht. Hier erhielt die Kranke Syrup. ferri jodat.; ausserdem wurde sie gut ernährt und beständig im Bette gehalten. Von den sogenannten Magen- krämpfen zeigte sich hier keine Spur, vielmehr entwickelte die Kranke sehr bald einen ausgezeichneten Appetit und nahm unter der guten Pflege zusehends zu. Demgemäss konnte auch sehr bald eine Verbesserung des Blutes bemerkt werden, welche sich in der ungleich gesättigteren Farbe desselben, sowie in einer merklichen Abnahme der abnormen Blutbestandtheile documentirte. Auch konnten wir bald eine Verengerung der Pupillen constatiren, sowie eine Abnahme ihrer Starre. Am 21. Juni erklärte Patientin zum ersten Male einen Licht- schimmer auf beiden Augen zu empfinden; jedoch konnte sie nur die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21645188_0004.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


