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Credit: Elektrophysiologie / von W. Biedermann. Source: Wellcome Collection.
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![hervortritt. Aehnliche Verhältnisse, d. i. eine Längs- und Ringmiiskel- schichte, innerhalb deren die Faseraxen senkrecht zu einander stehen, findet man z. B. auch am Ureter und unter den Wirbellosen im Hautmuskelschlauch der Würmer. Eine Frage, welche ])hysiologisch von grösstem Interesse ist, be- trifft die anatomischen Beziehungen benachbarter Muskel- ze 11 e n zu einander. Eine Reihe physiologischer Thatsachen schien auf das Vor- handensein einer directen Leitung von Zelle zu Zelle innerhalb ge- wisser glattmuskeliger Theilc hinzuweisen, lange bevor von Seite der Histologen dieser Vermuthung eine begründete Unterlage gegeben wurde. Der Gedanke eines directen, durch Plasmabrücken vermittelten Zusammenhanges benachbarter zelliger Elemente, der ja keineswegs neu ist, hat bekanntlich auf botanischem Gebiete in neuerer Zeit in ausgedehntester Weise Bestätigung gefunden, und auch in der thierischen Histologie sind solche Zellbrücken an gewissen Objecten seit langem bekannt (Stachel- oder Riffzellen im Epithel). Ganz analoge Structur- verhältnisse wurden in neuerer Zeit auch an glatten Muskelzellen beschrieben. Auf Quer- schnitten durch dichtere Anhäufungen derselben scheinen die einzelneu Elemente durch eine homogene Kittsubstanz mit einander verbunden zu sein, die sich ihren Reactionen zufolge ähnlich der Kittsubstanz der Endothelien ver- hält. Unter Anwendung bestimmter, sehr schonender Härtungsmethoden lässt sich jedoch bei starker Vergrösserung erkennen, dafs die einzelnen Zellen in der Querrichtung mittels zarter protoplasmatischer Brücken zusammenhängen, zwischen denen kleine Intercellularräume übrig bleiben (Fig. 14). So häufig eine starke Pigmentirung einkerniger Evertebraten- muskeln vorkommt, so selten findet sich eine ausgeprägtere Färbung bei glatten Muskelzellen der Wirbelthiere. Zu erwähnen wären etwa die lebhaft rothen Muskeln im Muskelmagen vieler Vögel, sowie auf der anderen Seite die dicht mit schwarzbraunen Pigmentkörnchen erfüllten contractilen Faserze 11en in der Iris vie 1 er Fische u n d Amphibien, welchen diese nach S t e i n a c h ihre directe Reiz- barkeit durch Licht verdankt (15). Einer besonderen Erwähnung bedürfen gewisse sehr eigenthüm- liche Bilder, welche man von glatten Muskelfasern erhält, die im Zu- stande der Contraction fixirt wurden. Es zeigt sich dann oft eine sehr regelmässige Querstreifung, welche offenbar durch Contractionswülste bedingt Avird, die in regelmässigen Abständen einander folgen. Nachdem Heidenhain schon 1861 (16) auf derartige Bilder aufmerksam gemacht hatte, Avurde neuerdings auf diese leider nicht genügend untersuchten Verhältnisse von Dräsche hingewiesen (17). Er beobachtete an der contrahirten Muskelhiille der Giftdrüsen des Salamanders eine sehr regelmässige Querstreifung der einzelnen Faserzellen, welche dadurch bedingt war, dass durch die Contraction an der unteren Fläche der Muskeln sehr zierliche Querleistchen, ja grosse, quergestellte Flügel auftreten! Ich selbst habe ähnliche, sehr zierliche Bilder an den Muskelzellen eines Katzendarmes, der in Al- 2* •'s-,- Fig. 14. Querschnitt durch die Blasenmuskulatur der Katte (Zellbriiekeu). (Nach C. de Bruyue, Ai'ch. de ßiol. par van Beneden. Tom. XII. 1892.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24756106_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)