Die Zelle und die Gewebe : Grundzüge der Allgemeinen Anatomie und Physiologie / von Oscar Hertwig.
- Oscar Hertwig
- Date:
- 1893
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Zelle und die Gewebe : Grundzüge der Allgemeinen Anatomie und Physiologie / von Oscar Hertwig. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
32/316 page 16
![Fortpflanzung aus vorhandenem Protoplasma; ihre heutige Organisation ist daher das Product einer ausserordent- lich langen historischen Entwicklung. Was für Substanzen jedem lebenden Protoplasma eigenthümlich sind, ist sehr schwer chemisch zu bestimmen. Denn abgesehen davon, dass schon jeder Eingriff den leicht zersetzbaren Körper wesentlich ver- ändert, wird auch noch dadurch die Untersuchung erheblich erschwert, dass ausser dem Protoplasma in jeder Zelle Stoffwechselproducte der ver- schiedensten Art mit eingeschlossen sind, die sich nicht leicht absondern lassen. In dem complicirten Stoffgemenge legt man als eigentlichen Trägern der Lebensprocesse einen besonderen Werth den Proteinsub- stanzen bei, den complicirtesten organischen Körpern, die es gibt, und über deren chemische Constitution die Analyse noch wenig sichere Auf- schlüsse gegeben hat. Ihre complicirte Structur beruht in erster Linie auf den ganz aussergewöhnlichen, chemischen Eigenschaften des Kohlen- stoffs (Haeckel II 15). In den Proteinsubstanzen haben sich dem Kohlen- stoff' 4 andere Elemente, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel beigesellt, in einem Verhältniss, welches man durch die Formel Q72jjio6]s^i8gQ22 (Zusamui0ns01zuug eines Eiweissmolecüls) auszudrücken versucht hat (Nägeli II 28). Unter den verschiedenen Arten der Proteinkörper (Albumine, Glo- buline, Fibrine, Plastine, Nucleine etc.) scheint für das Protoplasma be- sonders nur das Plastin charakteristisch zu sein, (Reinke II 32, Schwarz II 37, Zacharias II 44); dasselbe ist im Wasser und 10°/o Koch- salz und 10''/o schwefelsaurer Magnesia unlöslich; in verdünnter Essig- säure wird es gefällt, in concentrirter zur Aufquellung gebracht; in con- centrirter Salzsäure wird es gefällt; es widersteht sowohl der Pepsin- ais der Trypsinverdauung. Es färbt sich wenig oder gar nicht in basi- schen, dagegen in sauren Anilinfarben (Eosin und S-Fuchsin). Daneben finden sich in geringerer Menge Globuline und Albumine, die auch in gelöstem Zustand im Zellsaft der Pflanzen vorkommen. Das Protoplasma ist sehr reich an Wasser, welches, wie Sachs (II 33) bemerkt, zu seiner Molekülarstructur in demselben Sinne gehört, wie z. B. das Krystallwasser zur Structur sehr vieler Krystalle nöthig ist, die ihre krystallinische Form durch Entziehung des Krystall- wassers verlieren. An frischen Fruchtkörpern von Aethalium septicum fand Reinke (II 32) 71,6 »/o Wasser und 28,4 o/o bei 100 Grad getrock- nete Substanz. 66 *^/o Flüssigkeit Hess sich durch Auspressen erhalten. Im Protoplasma kommen ferner stets eine Anzahl verschiedener Salze vor und bleiben bei der Verbrennung desselben als Asche zurück. Bei Aethalium septicum enthält die letztere an Grundstoffen Chlor, Schwefel, Phosphor, Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium, Eisen. Lebendes Protoplasma gibt eine deutlich alcalische Reaction; rothes Lackmuspapier, sowie ein im Braunkohl vorkommender, von Schwarz verwandter, rother Farbstoff wird blau. Es ist dies bei Pflanzen auch dann der Fall, wenn der Zellsaft wie gewöhnlich sauer reagirt. Die alkalische Reaction rührt nach den Untersuchungen von Schwarz (II 37) bei den Pflanzen von Alcali her, welches in dem lebenden Protoplasma an die Proteinkörper gebunden ist. Aethalium septicum entwickelt nach Reinke (II 32) in getrocknetem Zustande Ammoniak. Ausserdem lassen sich im Protoplasma stets die verschiedensten Stoffwechselproducte nachweisen, welche theils der progressiven, theils der regressiven Metamorphose angehören. Sie zeigen im thierischen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21058507_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


