Die Cholera in der Schweiz und das über dieselbe im Züricher Kantons-Spital beobachtete : ein Bericht an die Medicinal-Direktion / von Hermann Lebert.
- Hermann Lebert
- Date:
- 1856
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Cholera in der Schweiz und das über dieselbe im Züricher Kantons-Spital beobachtete : ein Bericht an die Medicinal-Direktion / von Hermann Lebert. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
31/102
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![terialicii von 1854 nur für einzelne Delailbesclireibungen und als Beispiele benutzt* werden. Bevor ieh die p]i'scheinungen der eigentliehen Cholera besehreibe, wdl leli zuerst die Oholera-Üiarrhoe_ und die diolerine, wie sie gleichzeitig geherrscht haben, näher ins Auge fassen. Es ist dies um so nothwendiger, als sic für mich einen integrirenden Theil der Cholera ausmaehen, zwischen ihnen alle möglichen Uebergänge in Zürich, und wahrsehcinlieh auch überall, zur Beobachtung gekom- men sind, und die richtige Würdigung derselben der Cholcra-Öta- tistik eine ganz andere Basis, als die bisher gcbräiiehlichc giebt. Wenn man, wie dies gewöhnlich gcsehchen ist, bei einer herr- schenden Epidemie nur die äussersten und schlimmsten Pällc der Cholera mit stürmischen Ausleerungen nach oben und unten, mit Krämpfen, Kaltwerden der Körperoberfläche, Cjanose, Einsinken der Augen, Heiserkeit der Stimme, Verlust der Elasticität der Haut, Aniirie etc. für die Statistik verwerthen will, so hat dies freilich den Schein der Gewissenhaftigkeit, aber einer gewiss sehr bornirten. Wir werden später sehen, wie um jene schlimmsten Type sich leichtere bis zur gefahrlosen Cholerine gruppiren. Eine solche Ein- theilung kommt mir so vor, wie wenn man bei einer Kuhrepidemie nur die Fälle in die Statistik aufnehmen wollte, bei welchen Blut in den Stühlen sich zeigt und wo diese mindestens alle Stunde oder halbe Stunde sich wiederholen, oder wenn man bei einer Blatternepi- demie nur die confluirenden Blattern als variola vera in Anschlag bringen woUte. Gegen eine solche ontologische Abgrenzung pro- testirt die ganze moderne Richtung der Medicin. Mein Zweck ist hier kein .teleologischer, meine Absicht nicht, zu zeigen, dass die bisherige Statistik der Cholera der der Zukunft gegenüber eine trostlose ist. In der Naturforschung nimmt man die Thatsachen wie sie sind, und je trostloser sie sieh oft scheinbar ge- stalten, desto mehr ist für uns Aerzte namentlich der P^rschungs- geist und der Wunsch zu helfen angeregt. Will man genau wissen, wie viel Individuen in einer gegebe- nen Seuche an der Cholera leiden, so muss man erforschen, wie viel Individuen die der Seuche cigcnthümlichen pathologischen Erschei- nungen, von der leichtesten bis zu der schwersten p^orm, darbieten. Man wird sich alsdann überzeugen, dass gerade die Cholera nicht zu den verderblichsten uns bekannten Epidemien in Bezug auf das Verhälfliiss der Todesfälle zu den Erkrankungen gehört. Dass einer so ausgedehnten Statistik grosse Hindernisse im Wege stehen, ver^ kenne ich nicht. Es ist dies aber kein Grund, sich dadiu’Qh von dem pji’torsehen der Wirklichkeit abschrecken zu lassen. Nach diesen Betrachtungen wird die Wichtigkeit, einlcuchtcn, welche wir im P^olgenden auf genaue Beschreibung der Cholera- Diarrhoe und der Cholerine legen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22355509_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)