Versuch einer physiologischen Pathologie der Nerven / [Gabriel Gustav Valentin].
- Gabriel Valentin
- Date:
- 1864
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Credit: Versuch einer physiologischen Pathologie der Nerven / [Gabriel Gustav Valentin]. Source: Wellcome Collection.
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![Haut zu Verkürzungen anregen, scheinen auch jenes Kältegefühl leicht hervorzurufen. Der Fieberfrost ist wahrscheinlich Nichts, als die subjective peripherische Deutung einer ihrem Wesen nach noch unbekannten Veräuderung in dem centralen Nervensysteme. Er besteht, wenn selbst die Eigenwärme 2« bis 3» G. über die Norm gleichzeitig steigt. Ein Druck auf die Wirbel des kranken Bezirkes führt bisweilen zu Frostemplindungen bei der Spinalirritation >). Genauere Untersuchungen müssen entscheiden, ob auch Hitzegefühle Vorkommen, ohne dass die wärmeerzeugenden Ursachen thätiger als sonst sind. §. 592. Krankheitserzeugnisse, wie Neurome, Geschwülste der Nachbargegend, Eiterungen, die auf einen Nerven wirken, können die furchtbarsten Schmerzen in einem und beinahe vollkom- mene Schmerzlosigkeit in einem anderen Falle zur Folge haben. Dieser Unterschied erklärt sich aus der in dem zweiten Abschnitte dieses Werkes gegebenen Theorie der Nervenwirkung und den sie' bestätigenden physiologischen Erfahrungen über örtliche Nerven- störungen. Soll der Schmerz zum Vorschein kommen, so muss eine schwache Erregung sehr rasch eingreifen, um eine starke lebendige Kraft zum Vorschein zu bringen. Eine heftige Reizung kann zum Theil die geringere Schnelligkeit durch die Kraftgrösse der Einwirkung ausgleichen. Eine Geschwulst bleibt daher schmerzlos, wenn der den Nerven tretfende Druck erst im Laufe von Tagen oder Wochen allmählig anwächst. Führen dagegen der Blutlauf oder andere Nebenbedingungen raschere Aenderungen des Markes herbei, so stellen sich Schmerzen ein. Ihre Grösse kann nicht bloss vermöge des Wachsthums der erregenden Ursache, sondern auch durch die sich allmählig] erhöhende Beweglichkeit derNerventheilchen zunehmen. §. 593. Untersucht man die Empfindlichkeit der Nervenknoten des Sympathicus der xSäugethiere und der aus ihnen hervorgehenden Aeste, so findet man, dass sie mit der durch die Misshandlung hervorgerufenen stärkeren Blutfüllung der Theilp wächst. Bestreicht man einen Stamm des Achselgeflechtes mit Terpentinöl, so erscheint dieser Bezirk einige Zeit darauf geröthet und schmerzhaft, ohne dass desshalb die Empfindlichkeit der dem Stamme entsprechenden Endgebilde merklich zuzunehmen braucht'-). Solche örtliche Blut- überfüllungen können die heftigsten ^Schmerzen in Theilen herhei- ') Stilling, a, a. 0. S. .38. 2) Vgl. ScHiKF, a. a. 0. S. 154.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28078299_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


