Versuch einer physiologischen Pathologie der Nerven / [Gabriel Gustav Valentin].
- Gabriel Valentin
- Date:
- 1864
Licence: Public Domain Mark
Credit: Versuch einer physiologischen Pathologie der Nerven / [Gabriel Gustav Valentin]. Source: Wellcome Collection.
46/408 page 38
![weseDtlichsten mechanischen Eigenschaften bestimmt. Man kann dann eben so gut von dem Tonus des Bindegewebes, der Aponeu- rosen, der Bänder und der nicht verkürzungsfähigen Gewebe Uber, haupt, als der verkürzbaren sprechen. Die Ernährungszustände werden in erster Linie bestimmen, wie sich diese Verhältnisse ge- stalten. Da aber jene von der Blutzufuhr, mithin auch von dem Rauminhalte der Blutgefässe und dem Porositätszustande der Wände derselben abhängen, so ist auch das Nervensystem im Stande, einen mittelbaren Einfluss auf diese Erscheinungen zu gewinnen. Er kann sich aber um so rascher geltend machen, je mehr Blut ein Geweb- theil empfängt und je schneller sich dieser selbst verändert. Der Tonus der Sehne wird daher langsamer, als der der Muskelfasern wechseln. §. 642. Diese Begriffsbestimmung kann noch zu einer Vor- stellung über die Contracturen führen, welche die Verhältnisse schärfer als bisher auffasst. Die Zusammenziehung der quergestreiften Muskelfasern läuft häufig asymptotisch ab (§. 141.). Die elastische Rückkehr zu der früheren Molecularanordnung besiegt den durch die Verkürzung erzeugten Widerstand in der Zeiteinheit um so weniger, je längere Zeit seit dem Beginne der sinkenden Zusammen- ziehung verstrichen ist. Eine ähnliche Norm kehrt auch bei der elastischen Nachwirkung gedehnter oder gedrehter Seidenfäden wieder. Sie macht sich nach der Ermüdung des Muskels oder der Bewegungsnerven nachdrücklicher geltend. Denkt man sich, dass der Krankheitszustand des Nervensystemes den Muskel nicht zu seinem urs])rünglichen Molecularzustande zurückkehren, sondern auf einer gewissen Asymptose verharren lässt, dass sich dieses bis zu einem bestimmten Grade von einer Zusammenziehung zur anderen vergrössert, so erhält man auf diese Art die allmählige Ausbildung einer Contractur. Die §. 104. erläuterte Vorstellung des Wesens der Zusammenziehung macht es denkbar, dass eine solche Wirkung mit oder ohne den anhaltenden Einfluss der Nerven auftreten kann. Man hat sie schon zum Tlieil im gesunden Körper. Ein Mensch, der eine Zeit lang feine Linien gezeichnet, mikroskopirt oder sonst anhaltend in die Nähe gesehen hat, kann häufig sein Auge nicht sogleich für die Ferne anpassen (§. 512.). Die Haltung der Muskeln der Gliedmaassen in einer bestimmten Stellung, wie es die Fakire bis zum Extreme treiben, schwächt andere spätere Muskelbewegungen, weil sich der Einfluss der früheren Verkürzung nicht so rasch aus- gleicht. Bildet sich aber eine Contractur aus den eben erläuterten](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28078299_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


