Die chirurgischen Krankheiten der Harn- und männlichen Geschlechtsorgane : Für Aerzte und Studirende.
- Güterbock, Paul, 1844-1897.
- Date:
- 1890-
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Credit: Die chirurgischen Krankheiten der Harn- und männlichen Geschlechtsorgane : Für Aerzte und Studirende. Source: Wellcome Collection.
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![man öfters bei Ren duplicatus sowie bei Hufeisenniere, und zwar meist einseitig, und können sich die Ureteren nach einer Strecke getrennten Verlaufes zu einer Bhisenmändung vereinigen oder aber die ]\Iündung des oberen Doppclliarnleiters liegt, nachdem vorher eine Kreuzung stattgehabt, vor oder hinter der des unteren. Defectbildungen der Harnleiter schliessen sich denen der Nieren an oder existiren ohne solche. Im letzteren Falle haben besondere Wichtigkeit die wahrscheinlich nicht durch Bildungshemmung, sondern durch einen fötalen obliterirenden Process entstandenen Verödungen des oberen Theiles des Harnleiters wegen ihrer Be- ziehungen zur congenitalen Cystenniere. Ueber angebor eneStricturen der Harnleiter ist bereits früher auf S. 822 Mittheilung gemacht worden. Die hier erwähnten klappenförmigen Zustände dürfte man am besten den übermässigen Bildungen einreihen. Am meisten praktische Bedeutung haben die Abnormitäten im Verlauf der Harnleiter. Hierher gehören zunächst die Ab- weichungen in Beschaffenheit und Sitz der Nierenbecken- M ü n d u n g d e s Ü r e t e r s. Durch Einmündung an der tiefsten oder höchsten Stelle des letzteren, ferner durch Winkelbildung zwischen Ureter und Nierenbecken, durch hiermit verbundenes oder selbst- ständiges Auftreten eines klappenartigen Vorsprunges der vorgedrängten Wandungen kann Gelegenheit zur Harnstauung geboten werden, wie wir dieses in dem die Hj^dronephrose betreffenden Capitel noch näher kennen lernen werden. Winkelbildung und Knickung des Ureter können übrigens zuweilen auch in seinem Verlaufe weiter unten stattfinden. Abnormitäten der unteren Ureterenmündung leichteren Grades scheinen ziemlich häufig zu sein. Es ergiebt sich dieses schon aus den mannigfachen, bereits auf S. 808 erwähnten kleinen Ver- schiedenheiten, w^elche das cystoskopische Bild der betreffenden Mündungen bietet. Ob hinsichtlich solcher leichteren Abnormitäten gewisse gesetzmässige Verhältnisse obwalten, ob ihnen ferner eine bestimmte klinische Bedeutung zukommt, muss vor der Hand unent- schieden bleiben. — Viel seltener sind hier gröbere Anomalien, z. B. ■Mündung der Ureteren an anderen Stellen der Blase als an den Seiten des Lieiitaucrsehen Dreieckes. Man hat ausserdem die Ureterenmündung direct in die Urethra am Colliculus seminalis und noch weiter nach vorn, dann ausserhalb der Urethra in die Samenbläschen beim Manne, in die Gebärmutter, in die Scheide, in die Vorhaut des Kitzlers bei der Frau, endlich aber auch in den Darm gesehen. Nach Ledentu kommt bilaterale abnorme Mündung der Harnleiter meist nie ohne anderweitige ernsteren Entwickelungsstörungen vor. Bei unilateraler abnormer Mündung können letztere fehlen, und besteht dann bei Lage dieser Mündung ausserhalb der Blase Harnträufeln, das nur durch ihre Verödung oder Verlegung zu beseitigen ist {Baum). Zuweilen zeigt die abnorme Mündung angeborene Atresie, oder der Harnleiter ist eine Strecke weit völlig obliterirt. ^Man trifft dann die entsprechende Niere, Avenn nicht gänzlich geschwunden, so doch cystisch entartet und die nicht verödete obere Hälfte des Harnleiters blindsackartig ausgeweitet. 54*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21021880_0881.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)