Die Antikörper : Resultate früherer Forschungen und neue Versuche / von Emil Freiherr von Dungern.
- Dungern, Emil, Freiherr von.
- Date:
- 1903
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Antikörper : Resultate früherer Forschungen und neue Versuche / von Emil Freiherr von Dungern. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
27/126 (page 19)
![bakterielle blutlösende Gifte gerichtete Antikörper [Kraus und Clair- mont x), M. Neisser und Wechsberg 2)]. Wenn schon das normale Blutserum eine Menge solcher nach Art der Antikörper specifisch wirkender Substanzen enthalten kann, so wird man derartige bindende Atomkomplexe gewiß auch in den Zellen annehmen können, selbst wenn sie nicht in allen Fällen nachweisbar sind. Ganz besonders spricht für diese Auffassung, glaube ich, aber noch die von Dreyer und Madsen 3) festgestellte Erscheinung, daß die Toxone des Diphtheriegiftes aus dem Blute des Versuchs- tieres, in das sie eingeführt worden sind, langsamer verschwinden als die Toxine nach den Beobachtungen von Dönitz4). Da das Toxon, nach den Versuchen Ehrlich's, wie wir gesehen haben, auch zum Antitoxin geringere Affinität besitzt als das Toxin, so ergiebt sich daraus, daß der Affinitätsunterschied von Toxin und Toxon sowohl dem Antitoxin wie den Körperzellen gegenüber beide Male der gleiche ist. Diese Thatsache ist gewiß bemerkens- wert. Könnte man hier aber auch noch an eine zufällige Ueber- einstimmung der Affinitätsverhältnisse denken, so ist ein solcher Einwand völlig unbegründet, wenn gezeigt werden kann, daß bei der aktiven Immunisierung specifisch bindende Gruppen in den Zellen neu entstehen. In dieser Hinsicht sind die Versuche Römer's 5) über Abrinimmunisierung zu nennen. Wie Ehrlich zeigte, ist es möglich, Kaninchen auch dadurch eine allgemeine Immunität gegen Abrin zu verleihen, daß man ihnen wiederholt steigende Dosen von Abrin auf die Conjunctiva des Auges bringt, das Abrin ruft dabei, solange noch keine Immunität ausgebildet ist, starke Entzündungen der Bindehaut hervor, während es, beim Immuntier in gleicher Dose verwandt, keine Reizwirkung mehr bedingt. Römer immuni- sierte nun auf diese Weise Kaninchen gegen Abrin und prüfte dann, wenn die allgemeine Immunität sich eingestellt hatte, den antitoxischen Wert der zerriebenen Organe der betreffenden Ver- suchstiere. Es zeigte sich dann, daß einzelne Gewebe im Gegensatz zu denjenigen nicht immunisierter Tiere gegen Abrin zu schützen vermochten, und zwar besaßen Knochenmark und Milz ein stärkeres antitoxisches Vermögen als das Blut. Die blutbildenden Organe er- scheinen hier als hauptsächlichste Bildungsstätten des Antiricins, 1) Kraus u. Clairmont, Wien. klin. Wochenschr., 1900. 2) Neisser u. Wechsberg, Zeitschr. f. Hyg., Bd. 36, 1901. 3) Dreyer u. Madsen, Zeitschr. f. Hyg., Bd. 37, 1901. 4) Dönitz, Arch. internat. de Pharmakodynamie, T. 5, 1899. 5) P. Römer, v. Gräfe's Archiv f. Ophthalmol., Bd. 52, 1901. 2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21174611_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)