Licence: Public Domain Mark
Credit: Herr Dr. R.U. Krönlein und seine Statistik / von Richard Volkmann. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
29/38 page 29
![gen Kranken gegenüber zu setzen, in denen man überhaupt den Ver- such der Conservation machte, weil man das Glied für erhaltungs- fähig hielt, gleichgültig, ob dieser Versuch glückt oder nicht, und ob man den Versuch später aufgeben musste, weil man anfänglich die Bedeutung der Verletzung unterschätzt, oder weil später das Leben bedrohende acci- dentelle Wundkrankheiten hinzutraten. Bei dieser Art der von Billroth und mir empfohlenen und geübten Rechnung werden die Secundäramputirten, was sie in der That sind, als Fälle verunglückter Conservativbehandlung betrachtet. Scheidet man hin- gegen die Secundäramputirten aus, wieKrönlein in seinem Werke über die offene Wundbehandlung es gethan hat, so eliminirt man willkürlich einen grossen Theil der Misserfolge. Denn von den Secundäramputirten pflegte bisher der weitaus grössere Theil zu sterben. »Sobald Jemand das Princip durchführte , keinen seiner Patienten unamputirt sterben zu lassen, sänke bei dieser Art der Berechnung die Mortalität für die con- servative Behandlung auf Null« *). Wer bei eintretender Pyämie oder Septicämie sofort amputirt, wie ich selbst es thue, befolgt dieses Princip ziemlich strict. Die Ansichten über Zeitpunkt, Notwendigkeit und Zulässigkeit einer Secundäramputation bei einer bis dahin conservativ behandelten conipli- cirten Fractur, variiren ausserordentlich. Die Entscheidung, ob es in dem gegebenen Falle besser sei, zu amputiren oder nicht zu amputiren, ist oft höchst misslich. Bestimmte Normen für das Handeln fehlen. Jeder entscheidet nach subjectiver Ueberzeugung, die meist durch den Ausfall der früher gemachten Erfahrungen bestimmt wird , und demzufolge am- putirt der Eine leicht, der Andere schwer. Durch Ausschliessung der Secundäramputirten wird daher in die Statistik ein völlig unberechenbarer Factor eingeführt, die Statistik durch Ansichten und Neigungen des Chi- rurgen in hohem Maasse influencirt. Namentlich verliert die erstere auch jeden prognostischen Werth **). meine Fülle in einer von ihm abgeänderten Tabelle zusammen, doch schliesslich nur zu dem Zwecke, um die Zahl meiner Heilungen etwas herabzudrücken. *] R. Volk mann, Zur vergleichenden Mortalitäts-Statistik analoger Kriegs-und Friedensverletzungen v. Langenbeck's Archiv XV. pag. 5. **) Ergötzlich ist die Art und Weise, wie Herr Dr. Krünlein es motivirt, warum mein Gruppirungspnncip zu verwerfen und das seinige das richtige ist. Weil er es »bisher immer« so gethan hat (1. c. pag. 32). Herr Dr. Krönlein hat seine inedi- cinischen Examina November 1870 beendet. Promovirt hat er erst 1872, und zwar ist die oft citirte Arbeit über die offene Wundbehandlung ursprünglich seine Doctor- dissertation ! Nun, Herr Dr. Krönlein wird noch mancherlei aufgeben müssen, so z. B. seine eigenthiimliche Methode der Statistik! Auch für sein Werk über die offene Wundbehandlung selbst ist diese historische Notiz nicht ganz ohne Interesse. Das](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21908771_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


