Grundriss der Physiologie des Menschen für das erste Studium und zur Selbstbelehrung / von G. Valentin.
- Gabriel Valentin
- Date:
- 1855
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Credit: Grundriss der Physiologie des Menschen für das erste Studium und zur Selbstbelehrung / von G. Valentin. Source: Wellcome Collection.
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![Kaffee und Thee. Chokolade. Geistige Gährung. Essig- gährung. Weingeist- gehalt der Getränke. §. 82. Die Bohnen des Kaffee (Coffea arabica) und die Blätter des chinesischen The es (Thea bohea) oder des in Südamerika gebrauchten Pa- raguaythees {Hex paraguaiensis St. Hü.; /. gongonha Martins) enthalten ein schwach basisches Alkaloid von der gleichen elementaranalytischen Zu- sammensetzung, das Caffein oder Thein (Cje Hjo N4 O4). Die Theeblätter sollen es theils frei, theils als gerbsaures Thein (0,51 bis 5,84%) und die Kaffeebohnen frei (0,80o/o) und als kaffeegerbsaures Kali-Caffein (3,5 bis 5,00/0) führen. Da es aus 49,3o/o C, 5,2o/o H, 29,lo/o N und 16,4% O besteht, so zeichnet es sich durch seinen verhältnissmässig grossen Stick- stoffgehalt aus. Man hat die eigenthümliche giftige Wirkung gewisser Al- kaloide aus diesem Umstände herleiten und es als eine besondere Folge des Instinctes des Menschen ansehen wollen, dass er zwei sehr verschiedene G-ewächse, wie den Kaffeebaum und die Theestaude, die aber gerade jenes Caffein oder Thein liefern, aus der unermesslichen Zahl der Pflanzen für seine Getränke auswählte. Wir werden in der Folge sehen, dass diese Ansichten auf keiner sicheren Grundlage ruhen. Es fragt sich sogar noch, ob die Hauptwirkungen des Kaffee und desThees von jenen Alkaloiden ausschliess- lich bestimmt werden. §. 83. Der Kakao (der Same von Theohroma cacao)^ der zur Choco- ladenbereitung dient, besitzt ebenfalls ein eigenes Alkaloid, das Theo- bromin (C14H8N4O4), das sogar 35% Stickstoff darbietet. Eiweiss (16,7%), Stärkemehl (10,9%) und eine eigene Fettverbindung, die sogenannte Ka- kaobutter (53,1%) sind die vorzüglichsten der nebenbei vorhandenen Be- standtheile. §. 84. Die Gährungserscheinungen, deren Hauptwirkungen wir in der Folge betrachten werden, können die Stärkemehlkörper (C12 Hjo Oio) in Traubenzucker (C12 H12 O12) und von da in Aethyloxydhydrat oder Wein- geist (C4 Hg O2) und Kohlensäure (C O2) überführen [C12 H12 O12 = 2 (C4H6O2) -j- 4(C02)]. Die weinigte Gährung, die häufig für die Getränkebereitung ausgebeutet wird, erzeugt eine gewisse Menge von Al- kohol aus verschiedenen stickstofflosen organischen Substanzen, vorzugs- weise aus den Zuckerarten. Rohrzucker (C12 Hjx On) und Milchzucker (C12 H12 O12) verwandeln sich dann in Schleimzucker, ehe sie in Weingeist und Kohlensäure übergehen. §. 85. Die Einwirkung des Sauerstoffes kann die Weingeistgährung in die Essiggährung überführen. Manche Körper, wie Platinschwarz oder in Selbstzersetzung begriffene organische Verbindungen, machen es erst möglich, dass der Sauerstoff der Atmosphäre den Alkohol verändert. Indem dieser (C4 He O2 = C4 H5 O . H O) 2 Aequivalente Wasserstoff, die Wasser bilden helfen, verliert, geht er zunächst in Acetylhydrat (C4 H3 O. H 0) und dann durch Aufnahme von zwei Aequivalenten Sauer- stoff in Acetylsäure oder Essigsäure (C4 H3 O3 . H 0) über (C4 H5 O -f H O -f- O4 = C4H3O3 . HO -f 2H0). Das Sauerwerden des Bie- res und des Weines und die Essigbereitung fassen auf dieser Art von Um- setzungen. §. 86. Die Menge des absoluten Weingeistes, von der die berau- schende Wirkung vorzugsweise abhängt, schwankt zwischen 1,5 bis 10 Vo- lumenprocenten in den verschiedenen Biersorten. Die Rheinweine führen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21082030_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


