Grundriss der Physiologie des Menschen für das erste Studium und zur Selbstbelehrung / von G. Valentin.
- Gabriel Valentin
- Date:
- 1855
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Credit: Grundriss der Physiologie des Menschen für das erste Studium und zur Selbstbelehrung / von G. Valentin. Source: Wellcome Collection.
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![Andere , Stickstoff- verbindua- g-en der Speisen. Stickstoff- haltige Säuren. Stickstoff- haltige Basen. wurden entweder im Papinianischen Topfe bei 106 bis 108^ C. mit Wasser behandelt oder mit diesem imd verdünnter Salzsäure ausgezogen, ehe man zum Kochen schritt. Man kann übrigens eine eben so gute Gallerte auf diese Weise, als aus der Hausenblase darstellen. §. 120. Da fast alle Thiergewebe für den Speisebedarf verwendet werden, so muss auch die Verdauungslehre auf jede Verbindung, welche die Chemie als Bestandtheil derselben angezeigt hat, Rücksicht nehmen. Wir begegnen in dieser Hinsicht zunächst einer Reihe von indifferenten Körpern, die man häufig noch als eiweissartige bezeichnet, obgleich die meisten von ihnen weder rein dargestellt worden, noch eine bindende Ana- logie mit dem Eiweisse darbieten. Hierher gehören z. B. der Blutfarbe- stoff oder das Hämatin (C =r 65,35 %, H := 5,45 o/o, N = 10,40 %, O = 11,88% und Fe = 6,93«/o), das Melanin (C = 58,08 o/o, H = 5,92 o/o, N = 13,77 o/^ und O = 22,23 o/^,) des schwarzen Pigmentes, der Schleimstoff oder das Mucin (C = 52,10o/o, H =r 6,97 o/^, ]Sr = 12,82 o/q und O == 28,11 o/^) der schleimigen Mischungen, die elastische Substanz (C = 55,75 o/o, H = 7,41 o/o, N= 17,74o/^ und 0= 19,10o/«) des Nackenbandes. Die wechselnden Gemenge, welche diese Körper bil- den, machen es unmöglich, dass man die angeführten Zahlen selbst nur als Annäherungswerthe betrachten darf. Dieses gilt nicht von krystallisirten Körpern, wie dem Scher er'sehen Lienin der Milch (C =• 53,71 o/q, H = 8,95 o/o, N = 4,82 o/« und O = 32,52 o/o). §. 121. Man hat eine grosse Reihe von stickstoffhaltigen Säuren aus verschiedenen thierischen Gebilden dargestellt, so die Inosinsäure (Cio Hg Ng Oio • H O) aus der Fleichfiüssigkeit, die Gallensäure, die Chol- oder Glycocholsäure (C52 H42 N On . H O) und die Cholein- oder die Tauro- cholsäure (C52 H45NO14 83), die mit Natron seifenartig verbunden (§. 105) in der Galle vorkommen. Eine stickstoffhaltige Fettsäure, die Cerebrin- säure (C = 66,7 0/0, H = 10,6 o/^, N = 2,3 o/^, O = 19,5 o/^ und P = 0,9 o/q) , die aber wahrscheinlich nur eine Mengung eines Eiweisskörpers mit einer Fettsäure bildet, soll in der Gehirnmasse enthalten sein. Säuren, wie die Harnsäure (C10H2N4O4 . 2 HO), die Hippursäure (CisHgNOs . H O), werden zwar hin und wieder mit den Speisen eingeführt. Da sie aber zu den Ausscheidungsstoffen des Thieres gehören, so können sie nicht als wahre Nahrungssubstanzen angesehen werden. §. 122. Dasselbe gilt von dem basischen Gegenstück der letzteren, dem Harnstoff (C2 H4 N2 O2) und dem in den verschiedensten Fleischsorten in geringen Mengen (0,07 bis 0,14 o/^) vorkommenden Kreatin (C8H9N3O4 -|- 2 H O), aus dem sich das Kreatinin (Cg H7 Ng O2) dm'ch starke Säuren und das Narkosin (Cg H7 N O4) durch Aetzbaryt gewinnen lässt. Einige andere Alkaloide oder ihnen ähnliche Verbindungen, die sich durch die künstliche Veränderung oder die Selbstzersetzung von Bestandtheilen der Nahrungsmittel bilden, kommen vielleicht hin und wieder in einzelnen Speisen vor. Hierher gehören z. B. das nur schwach basische Leucin (C12H13NO4), das, bei der Fäulniss von Kleber erzeugt, mit dem sogenann- ten Käseoxyd übereinstimmen soll, das Tyrosin (CxsHuNOe), welches mit dem vorigen durch die Einwirkung von Säuren oder Alkalien auf Eiweiss- körper hervorgebracht wird, der Leimzucker, Glycocoll oder Glycin](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21082030_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


