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Credit: Lehrbuch der Kinderkrankheiten / von Alfred Vogel. Source: Wellcome Collection.
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![Es kann dieses Geräusch mit dem bei Erwachsenen vorkommenden ca- vernösen Münzenklirren und dem Bruit de pot feie nicht verwechselt werden, indem es nur während des Schreiens oder Sprechens hervorge- bracht werden kann, während das bei Excavationen zuweilen beobach- tete, auch ohne dass der Kranke einen Ton von sich gibt, gehört wird. Bei ruhig athmenden nicht schreienden Kindern kommt niemals Münzen- klirren vor, indem bekanntlich bei Kindern unter 2 Jahren Cavernen ausserordentUch selten sind, und selbst bei deren Bestehen dies Geräusch mu' ausnahmsweise percutirt wird. Diagnostische Bedeutung kann ihm demnach nicht zugeschrieben werden. Durch Percussion lässt sich die Grösse der Thymusdrüse ermit- teln. Wenn man das Manubrium sterni mögKchst rasch aufmerksam und leise percutirt, so findet man eine Dämpfung, deren Umfang von Monat zu Monat abnimmt. Man kann sich durch diese Untersuchung häufig genug überzeugen, dass viele Kinder eine grosse Thymusdrüse haben und doch niemals an Spasmus glottidis leiden, und umgekehrt, dass viele Kinder, die von heftigem Spasmus glottidis (das sog. Asthma thymicum) befallen werden, keine percutirbare Thymus erkennen lassen. Die Auskultation, bei Erwachsenen der wesentlichste Theil der physikalischen Untersuchung, bietet bei Kindern viel geringere Yortheile, woran theils die fortwährende Unruhe und die imgleichen Athembewe- gungen derselben, theils die Kleinheit des Raumes und die durch die elastischen Thoraxwände begünstigte Schallleitung, theils endlich der Umstand, dass die Kinderstimme auf den Wunsch des Untersuchers we- der erhoben noch verboten werden kann, die Schuld tragen. Wenn bei abgemagerten Kindern die Intercostalräiime einmal be- deutende Vertiefungen darstellen, so ist eine vollständige Aufsetzung des Stethoscops geradezu unmöghch, mit dem blossen Ohre die Seitenflächen oder die vorderen Parthien des Thorax zu auskultiren duldet fast kein Kind, es bleibt uns also vornehmhch der Rücken für diese Untersuchung übrig. Während wir aber bei Erwachsenen den Raum des Trachealath- mens genau begrenzt wissen, ist diess bei Kindern nicht der Fall. Wir hören bei gesunden Kindern über den ganzen Rücken, oft sogar über den ganzen Thorax eine laute Exspiration und eine tubare In- spiration, so dass wir nach diesem Befunde, wenn er bei Erwachse- nen vorkömmt, eine ausgedehnte, unzweifelhafte Verdichtung des Limgen- gewebes diagnosticiren würden. Nicht so bei Kindern. Wir haben hier bei der Auscultation nicht die streng geschiedenen Geräusche des nor- malen Vesiculärathmens einerseits und des Bronchialathmens anderer- seits, sondern an den meisten Stellen des Thorax ein dem Bronchial- athmen sehr nahes, oft nicht von diesem zu unterscheidendes Geräusch. So fällt der Hauptschluss, den wir aus dem Bronchialathmen bei Er- wachsenen ziehen können, nämlich die Verdichtung des Lungengewebes, weg; es handelt sich bei Kindern meistens nur um eine Vergleichung der beiden Thoraxhälften, auf welcher von beiden das Bronchialathmen deuthcher vernommen wird. Gute Anhaltspun]j;te liefert die Auskultation der Stimme. Die Stimme consonirt zwar überall am ganzen kindlichen Thorax, wo aber verdichtetes Lungengewebe besteht, da ist ihre Conso- nanz so heftig, dass der Untersuchende glaubt, er habe sein Ohr am Munde des Kindes, und dieses schreie ihm direkt hinein. Es ist dieses Zeichen um so werthvoller, als es auch bei unruhigen Kindern, und zwar nur bei diesen, wahi-genommen werden kann, und man sich also dem Kinde nicht mit besonderer Vorsicht imd grösserem Zeitaufwand zu nä- hern braucht.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925173_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)