Volume 7
Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere / von Albert Oppel.
- Date:
- 1896-1914
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Credit: Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere / von Albert Oppel. Source: Wellcome Collection.
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![gefäße (S. 145 ff.), worunter ich mit H. Virchow die Netzhautgefäße und die Glaskörpergefäße verstehe. Sind somit alle zweifellos mesodermalen und überhaupt alle zelligen Elemente aus dem „Glaskörper herausgeschafft, so könnte diesem Be- griffe eine anderweitige Unbestimmtheit noch anzuhaften scheinen durch das Vorhandensein der Zonula zinnii. Diese letztere ist wohl zweifellos ein Gebilde ektodermaler Herkunft — Fortsätze von Zellen der Pars ciliaris retinae — und ihre Beziehungen zu dem ihr dicht anliegenden, nunmehr gleichfalls als ektodermal erkannten Glaskörper könnten daher eine außer- ordentlich enge erscheinen; und tatsächlich haben ältere wie neuere Forscher (Lieberkühn, Nussbaum, Kabl, Kölliker, Wolfrum, Lenhossek, Berger und schließlich ich 1905) die Zonula bzw. deren offenbare Homo- loga im Fischauge entweder als eine Differenzierung des Glaskörpers oder in ähnlicher Weise aufgefaßt. Auf die Gefahr hin, vielleicht etwas zu schematisch vorzugehen, möchte ich im folgenden den Glaskörper und die Zonula beide gesondert besprechen, da ja, wenigstens der Hauptsache nach, jener von der Pars optica retinae, diese aber von der Pars iridiaca gebildet wird, beide einander großenteils nur anliegen und ein etwaiger Zusammenhang zwischen beiden vielleicht oft mehr ein mechanischer als ein organischer ist. Ich betone, daß genauere und vergleichende Unter- suchungen über diese Frage erforderlich scheinen. Bestimmend für meine vorläufige Stellungnahme ist namentlich der Umstand, daß bei Säuge- tieren der Glaskörper gegen die Zonula (und Linse) hin durch eine mem- branartige Bildung, die „vordere Grenzschicht, abgeschlossen ist. Im Kapitel über das Linsenaufhängeband komme ich auf diese Frage nochmals zurück (S. 240). Nicht vergessen dürfen wir hier die Glaskörperflüssigkeit (Humor vitreus), mit welcher das erwähnte fädige Gerüst des Glaskörpers wie ein Schwamm durchtränkt ist. Ob wir sie mit Kessler (1871, 1877) als ein „Transsudat aus den Augengefäßen oder aber als eine Abscheidung der Retina zu betrachten haben, bleibt wohl dahingestellt, wenn auch mir persönlich letztere Annahme näherliegend erscheint infolge der viel größeren Fläche, mit der die Retina „transsudieren oder ,,exsudieren könnte. Die heutigen embryologischen Methoden gehen durchaus nicht darauf aus, diese Frage zu entscheiden, und womöglich ist sie nicht ganz richtig gestellt. Physikalisches über den Glaskörper. Auch einige Daten, die, streng genommen, nicht zur Histologie gehören, dürfen hier Platz finden, zumal sie in vergleichender Hin- sicht wichtiges ergeben. Wie schon gesagt, ist der Glaskörper ein mit Flüssigkeit (Humor vitreus) getränktes Fädengerüst, er verhält sich also in mancher Beziehung wie ein nasser Schwamm. Allerdings ist Flüssigkeit weit mehr vor- handen als die feste Substanz der winzig dünnen Fäden ausmacht, und das Fädengerüst hat — weil aus ,,Fäden bestehend — nicht die Elastizität in sich, um nach Auspressung der Flüssigkeit wieder seine alte Form an- zunehmen. Aus dem inhaltreichen und durch weit zurückgehende historische Daten aus- gezeichneten Referat von H. V]RCHow („Fächer, Zapfen, Leiste, Polster, Gefäße im Glaskörperraum von Wirbeltieren sowie damit in Verbindung stehende Fragen. In: Merkel-Bonnet, Ergebnisse der Anatomie und Entwicklungsgeschichte, Bd. X, 1900/1901) entnehmen wir, daß man in der älteren Literatur, vor Schwann (1839) eine klare Vorstellung von der Zusammensetzung des Glaskörpers aus festen und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21926049_0007_0135.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)