Volume 5
Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere / von Albert Oppel.
- Date:
- 1896-1914
Licence: In copyright
Credit: Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere / von Albert Oppel. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
65/278 (page 51)
![Die Endblase des Pinealorganes (die „kranielle Strecke nach Ehlers). Die Gestalt der Endblase kann sehr verschieden sein; es hängt dies davon ab, ob die Endblase nur vom lockeren Bindegewebe umgeben, sonst jedoch frei im Inneren eines Foramen parietale sich be- findet, ob sie im Gewebe des Schädeldaches eingeschlossen ist, oder ob sie sich an die untere Oberfläche desselben nur einfach anschmiegt. Im ersteren Falle, den man bei Squaliden am häufigsten beobachten kann, kann die Endblase fast kugelförmig (Ehlers bei Spinax) oder keulenförmig sein; im letzteren Falle ist sie von oben etwas abgeflacht, wie das unsere Fig. 23, p. 61 zeigt (Postembryo von Acanthias). Wenn diese Abflachung etwas stärker ist, so kann man von einer konischen Gestalt des Organes sprechen (Mustelus z. B.). In anderen Fällen ist die End- blase zwar im ganzen auch keulenförmig, doch sehr unregelmäßig aus- gebildet (Spinax z. B.. Fig. 24, p. 63). Wo, wie das bei den Rajiden der Fall zu sein pflegt, die Endblase des Pinealorganes dem Schädel- dache unten nur anliegt, oder in seiner bindegewebigen Partie (dem sog. „Präfrontalloche•') eingeschlossen wird, ist sie immer stark dorsoventral abgeflacht (so bei Raja nach Ehlers oder bei Myliobatis*) [Fig. 26]). Wie aus den bereits angeführten Beispielen hervorgeht, kommen alle möglichen Übergänge zwischen der kugelförmigen Gestalt und derjenigen einer stark abgeflachten Blase vor. Die Endblase des Pinealorganes ist ohne Zweifel in jedem Falle höhl, die gegenteiligen Angaben von Cattie. die sich auf Mustelus, Acanthias und Raja beziehen, sind unrichtig. Die Wände der Endblase zeigen unregelmäßige Verdickungen, in vielen Fällen auch wirkliche Faltenbildungen. Die manchmal etwas tiefer sich einschneidenden Falten können die Endblase in einige Abschnitte teilen. Bei Spinax fanden wir z. B. solche Lappenbildungen an der End- blase des Pinealorganes. Etwas anderes meldet Cattie von Acanthias. Er fand an dem von ihm untersuchten Exemplare, daß die Endblase nicht einfach ist, sondern aus zwei nebeneinander liegenden (paarigen) Bläschen besteht, zwischen denen sich median der Stiel des Organes ansetzt. Jedenfalls handelt es sich hier nur um einen Ausnahmefall. Ich selbst finde bei einem Postembryo von Acanthias nur eine einfache Endblase. Die obere Wand der Endblase ist. wie schon oben hervorgehoben wurde, ebenso dick wie die untere. Eine Ausnahme erwähnt Carring- ton (1890): Bei Embryonen von Lamna cornubica sollte nach ihm die untere Wand bedeutend dicker sein als die obere. Dasselbe fand ich ein- mal auch bei Spinax. Die Struktur des Pinealorganes**). Wie bereits oben hervor- gehoben wurde, läßt sich in der Endblase des Pinealorganes bei Selachiern in keinem Falle eine Retina und Pellucida (resp. Linse) unterscheiden. Die Wände der Endblase sind im ganzen überall gleich dick und überall auf dieselbe Weise gebaut, sie unterscheiden sich nicht oder nur ganz unbedeutend von denen des Stieles. An der inneren Oberfläche der *) Auch bei einem Exemplare von Spinax wurde eine ähnliche Gestalt der Endblase beobachtet, nur die Endpartie der Endblase ragte in das hier ausnahms- weise sehr seichte Foramen parietale hinein. **) Die feineren Strukturverhältni.vse des Pinealorganes der Selachier wurden von mir hauptsächlich an mit Sublimat fixierten und mit Eisenhämatoxylin gefärbten Schnitten durch die Gehirne von Spinax niger (Embryone und erwachsene Tiere) und von einer erwachsenen Raja fullonica studiert. 4*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21926049_0005_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)