Volume 5
Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere / von Albert Oppel.
- Date:
- 1896-1914
Licence: In copyright
Credit: Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Anatomie der Wirbeltiere / von Albert Oppel. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
92/278 (page 78)
![das Wachstum des Pinealorganes wird das vordere Organ auf die linke Seite zurückgedrängt, Es handelt sich am Ende um eine ovoide Zellen- masse mit einer Spur eines Lumens (Hill). Nach Eycleshymer findet sich in dem vorderen Organe ein Lumen erst bei 15 bis 16 mm langen Embryonen. Er sieht weiter bei solchen, daß aus der Commissura habenularis Nervenfasern in das Innere des vorderen Organes eindringen, ebensolche dringen bei 12 —13 mm langen Embryonen aus der be- treffenden Kommissur in das hintere Parietal organ. Die Struktur beider Parietalorgane soll dieselbe sein, wie die der angrenzenden Gehirnwand. Die Zellen sind nicht in Gruppen geordnet. Kingsbury (1897) ist es gelungen, beide Parietalorgane auch bei erwachsenen Exemplaren von Amia zu finden. Das vordere Organ liegt hier links von dem Stiele des Pinealorganes (Epiphyse) und ist mittelst eines dicken nervösen Stranges mit dem linken Ganglion habenulae ver- bunden (vergl. Fig. 34). Seine Homologie mit dem vorderen (unteren) Parietalorgane von Petromyzon scheint, nach diesem Befunde zu schließen, unzweifelhaft zu sein. In 13 mm langen Embryonen erscheint die Paraphysis cerebri in der Gestalt einer fingei-förmigen Ausstülpung in der bekannten Lage. Später (15 mm lange Embryonen) wird diese Ausstülpung an ihrer Ur- sprungsstelle eingeschnürt und nimmt infolgedessen die Gestalt eines ver- längerten Bläschens an. Ihre Wände zeigen dieselbe Struktur, wie die sie umgebenden Gehirnwände (Eycleshymer-Davis). (Crossopterygii.) Polypterus bichir Geoffr. (P. senegalus). [Von Waldschmidt (1887) stammen Angaben über das Gehirn von Polypterus bichir und dessen Parietalgegend; außerdem eigene Unter- suchungen (1896) an einem kleinen Exemplare von Polypterus (senegalus). Waldschmidt beschreibt die Zwischenhirndecke im ganzen richtig, hält jedoch den Dorsalsack für das Pinealorgan. welches letztere ihm voll- kommen entgangen zu sein scheint.] Die Vorderhirndecke von Polypterus (Fig. 35) unterscheidet sich von der der übrigen Ganoiden hauptsächlich dadurch, daß hier die überall membranöse, von Blutgefäßen reich umflochtene Lamina supraneuroporica durch eine tief in den Gehirnventrikel reichende longitudinale Falte, eine Falx membränacea (Studniöka, 1896) in zwei Teile getrennt wird. In einer Anhäufung von kleinen Follikeln am kaudalen Ende der nach hinten sich verbreiternden Falx könnte man vielleicht die Paraphyse erblicken (?). Die beiden durch die Einstülpung der Falx membränacea entstehenden membranösen Säcke*) endigen hinten halbkugelförmig; die membranöse Gehirndecke senkt sich hier ventralwärts tief in das Innere des Gehirn- ventrikels hinein und bildet hier das quer gelagerte einfache Velum trans- versum. Die hintere Wand dieses letzteren steigt wieder nach oben und bildet zuletzt die vordere Wand des umfangreichen Dorsalsackes. Dieser hat eine etwa hammerförmige Gestalt und seine beiden Zipfel reichen weit nach vorn resp. nach hinten; nach hinten z. B. bis über das Mittel- hirn. Nur die hintere Wand des Dorsalsackes ist durch eingelagerte *) Die durch ihre Gestalt an wirkliche Vorderhirnhemisphäien z. B. der Am- phibien erinnern.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21926049_0005_0092.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)