Zur normalen und pathologischen Anatomie des Greisenalters / von Ludwig Aschoff.
- Ludwig Aschoff
- Date:
- 1938
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Credit: Zur normalen und pathologischen Anatomie des Greisenalters / von Ludwig Aschoff. Source: Wellcome Collection.
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![S. 224 ff.). Ich selbst bin nach wie vor der Überzeugung, daß schon im Laufe des Lebens gewisse Ganglienzellen unter dem Bilde der Pyknose atrophieren und schließlich zugrunde gehen. Aber ich kann keinen entscheidenden Beweis dafür bringen. Ich glaube, daß die unter dem Namen der chro¬ nischen Ganglienzellenerkrankung in verschiedenster Form beschriebenen Veränderungen z. T. hierher gehören. Die Altersatrophie wäre also nur der auch psychisch sichtbar werdende Zusammensturz der gangliozellulären Architek¬ tonik. Über die Einzelheiten des Ganglienzellschwundes in den einzelnen Gehirnbezirken muß ich auf die sorgfältigen Studien von Gellerstedt verweisen. Das Ammonshorn und die Oliven scheinen am meisten betroffen zu sein. Natürlich spielen sich in bestimmten Zellen, z. B. den moto¬ rischen Pyramidenzellen und den Zellen der Halsganglien, auch noch andere Prozesse ab, die wir wohl als Zeichen des Älterwerdens, aber nicht als Zeichen des Altwerdens be¬ zeichnen dürfen. Darunter ist vor allem die mit zunehmendem Alter deutlich nachweisbare allmähliche Ablagerung des Lipofuszins zu rechnen [Zeglio18)], die auch schon makro¬ skopisch eine dunklere Färbung insbesondere der Rinde be¬ dingt. Aber diese Pigmentablagerung führt noch nicht zu einer Zerstörung der Zytoarchitektur und ist beim Menschen zu unregelmäßig verteilt, als daß man derselben eine aus¬ schlaggebende Bedeutung, wie M ü h 1 m a n n das will, für das Altern zusprechen könnte. In den motorischen Vorder¬ hornzellen des Rückenmarks kann man sehr gut diese mit dem Alter zunehmenden Pigmentanhäufungen im Zelleib studieren. Auch die Bindung des Pigments an ein Lipoid ist zu sehen. Es handelt sich also um den gleichen Vorgang, den man auch in den Leberzellen sehr gut beobachten kann. Diese Pigmentierungen beginnen, wie ich das an den Herz¬ muskelfasern gezeigt habe, schon vor der Höhe des Lebens. Einzelne Abschnitte der Rinde und der Kerne müssen der starken Pigmentierung der motorischen Vorderhornzellen 1S) P. Zeglio, Ricerche sulla distribuzione del pigmento giello nel sistema nervoso deH’uomo nelle varie etä. Arch. ital. Anat. 35 (1935).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29819325_0118.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)