Zur normalen und pathologischen Anatomie des Greisenalters / von Ludwig Aschoff.
- Ludwig Aschoff
- Date:
- 1938
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Credit: Zur normalen und pathologischen Anatomie des Greisenalters / von Ludwig Aschoff. Source: Wellcome Collection.
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![Natürlich findet sich der Begriff des Alterns auch schon bei den pflanzlichen Organismen [E. Küster13)]. Küster hebt mit Recht hervor, daß das Altern und Sterben der Pflanzen durch die Korrelation der Teile in einer Ganzheit, durch den Kampf der einzelnen Zellen miteinander im Or¬ ganismus, damit dieser in der ihm gegebenen Umwelt be¬ stehe, bedingt ist. Bringt man die einzelnen Zellen des vielzelligen pflanzlichen Organismus unter ganz andere Be¬ dingungen, wie etwa in der Zellkultur, so kann man auch ihre Lebensdauer beeinflussen. Die Korrelation bedingt eine Zerstörung der feinbaulichen Kolloide, aus denen sich die lebende Substanz aufbaut. Damit ist der Tod der Zelle gegeben. Bei Anführung des Schrifttums habe ich auf das im all¬ gemeinen Zugängliche der Neuzeit Rücksicht genommen. Wer sich genauer unterrichten will, muß den ’Catalogue of the library of the surgeons general Office, U. S. A., zu Hilfe nehmen. Eine ausführliche Aufzählung aller das Alter betreffenden Arbeiten schon der letzten Jahrzehnte würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. Man hat auch in letzter Zeit erörtert, ob man nicht für die Greisengebrechen und Greisenkrankheiten eine besondere Zeitschrift gründen sollte, wie etwa für die Kinderheilkunde [I. Kluger14)]. Mit Recht hat man aber darauf hingewiesen, daß ein werdender Organismus eine ganz andere Heilpflege und Fürsorge be¬ dingt als ein absterbender. Es ist' nicht so sehr das prak¬ tische als das theoretische Interesse, welches der alternde Organismus in seinen Involutionserscheinungen erweckt. Mit den Altersgebrechen oder auch der Alterskrankheit muß der betroffene Mensch fertig werden. Man kann ihre Folgen für den übrigen Organismus im einzelnen Falle erleichtern. Man kann aber nicht in die Speichen des Alternrades fallen. Ein Mittel gegen das Altern gibt es nicht. Auch das schnellere oder langsamere Altern ist weniger von der Stärke 13) E. Küste r, Die Pflanzenzelle. 1935. 14) I. Kluger, Altersforschung. 1.—3. Jahrg. 1935—37. 8*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29819325_0127.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)