Zur normalen und pathologischen Anatomie des Greisenalters / von Ludwig Aschoff.
- Ludwig Aschoff
- Date:
- 1938
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Credit: Zur normalen und pathologischen Anatomie des Greisenalters / von Ludwig Aschoff. Source: Wellcome Collection.
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![von einer braunen Alterssklerose oder Altersfibrose der Leber, wenn überhaupt, reden. Zu der Leber gehören auch die extrahepatischen Gallen w ege. Eine besondere Greisenveränderung dieser Organe, besonders der Gallenblase, ist nicht bekannt. Die häufigste Erkrankung der letzteren ist die Cholelithiasis. Es gibt rein metabolische Steinbildungen, wie etwa die solitären Cholesterinsteine, die im weiblichen Geschlecht überwiegen, und die Pigmentsteine, die bei beiden Geschlechtern ziemlich gleich häufig gefunden werden. Die Hauptmenge der Gallen¬ steine wird von den geschichteten, infektiös bedingten Cholesterinpigmentkalksteinen gebildet. Von diesen ver¬ schiedenen Formen der Gallensteine wissen wir heute, daß sie sich schon auf der Höhe des Lebens bilden und in dieser Zeit auch, wenigstens beim weiblichen Geschlecht, am häufigsten gefunden werden. Bei dem männlichen Geschlecht verschiebt sich der Höhepunkt der Kurve bis zum Beginn des Greisenalters [L o t z i n15)]. Im eigentlichen Greisenalter fällt bei beiden Geschlechtern die Kurve steil ab. Schon daraus geht hervor, daß das Gallensteinleiden keine eigentliche Greisenkrankheit ist. Freilich sollte man die Prozentsätze der Gallensteinträger zu den Nichtgallensteinträgern für jedes Lebensalter wissen, um zu einem richtigen Schluß zu kommen. Auch das Krebsleiden der extrahepatischen Gallenwege, welches mit einem gewissen Recht auf die Cholelithiasis (vom Chole¬ sterin stammende kankrogene Substanzen) zurückgeführt wird, ist bei beiden Geschlechtern schon früher vorhanden und bei dem weiblichen Geschlecht vor Beginn des eigent¬ lichen Greisenalters am häufigsten. Nur bei den Männern schiebt sich die Höhe der Kurvenwelle — beim Mann ist der Krebs der großen Gallenwege häufiger — in das eigentliche Greisenalter hinein. Dennoch kann man auch hier nicht von einer Greisenkrankheit reden. Wie die so häufige Infektion der unteren Gallenwege und der Gallenblase vom Darm aus zustande kommt, wissen wir bei den infektiös bedingten 15) R. L o t z i n, Über die Beziehung der Gallensteine zum Krebs der extrahepatischen Gallenwege. Arch. klin. Chir. 139 (1926), 525.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29819325_0097.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)