Die Lagerung verletzter und erkrankter Gliedmassen : Leerschienen und verbandlose Wundbehandlung / von Heinrich Braun.
- Heinrich Braun
- Date:
- 1928
Licence: In copyright
Credit: Die Lagerung verletzter und erkrankter Gliedmassen : Leerschienen und verbandlose Wundbehandlung / von Heinrich Braun. Source: Wellcome Collection.
20/132
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![gemeinen nicht anders und so versorgt, als ob keine Fraktur mit im Spiele wäre. Denn eine vieljährige Erfahrung hat uns gelehrt, daß hier die größte Zurückhaltung am Platze ist. Wenn es irgend möglich erscheint, läßt man die Wunden ganz in Ruhe. Viel wichtiger für den Verlauf als die Art der Wundversorgung ist die möglichst schnelle und exakte Reposition, Retention und Dauerfixation der Bruchenden. Wenn das gelingt, so wird man in Friedenszeiten nur selten eine komplizierte Fraktur vereitern sehen. Das verletzte Glied wird also nun unter Aussparung des Wundgebiets fixiert. Die Wunde bleibt offen unter Mullschleier liegen. Jede Veränderung an ihr ist unmittelbar sichtbar. Am nächsten Tage findet man sie mit einer Kruste eingetrockneten Blutes bedeckt. Einen besseren Schutz für die Wunde als diese Blutkruste gibt es durchaus nicht. Etwa eingelegte Tampons werden ohne besondere Anzeige nicht entfernt, bleiben vielmehr mindestens eine Woche liegen und werden dann allmählich und sehr vorsichtig, in Etappen, herausgezogen. Wenn der Wund¬ verlauf gesichert ist und der Kranke das Bett verlassen darf, fällt die Wundaussparung fort, noch vorhandene Wunden werden in der gewöhnlichen Weise mit Salbenverbänden weiter be¬ handelt. Bis dahin halten wir die Verletzten, auch wenn keine Fraktur vorhanden ist, im Bett. Wie wir bei Bettlägerigen die Gliedmaßen lagern, wird später eingehend geschildert werden. Macht sich nun an der in der trockenen Kammer liegenden Wunde eine Infektion bemerkbar, dann legen wir sie in die feuchte Kammer um. Etwa eingelegte Tampons müssen jetzt sofort entfernt werden. Neue Tampons dürfen nicht eingelegt werden. Denn die Tamponade eiternder Wunden halten wir nicht für zulässig. Das Einlegen feuchter Mullstückchen zwischen die Hautränder kleiner Einschnitte, um deren vorzeitiges Verkleben zu verhindern, hat mit Tamponade nichts zu tun. In diesem Falle darf aber die Wunde nicht austrocknen. Andauernde Trocken¬ behandlung von Wunden bei freiem Luftzutritt verlangsamt die Regeneration der Gewebe, verlangsamt die Ausfüllung von De¬ fekten und die Überhäutung [Seefisch (88)]. Sie muß deshalb rechtzeitig unterbrochen werden, wenn Infektion und Eiterung abgeklungen sind. 3. Stark verunreinigte, wahrscheinlich infizierte oder](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2981764x_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)