Volume 1
Grundzüge der physiologischen Psychologie / von Wilhelm Wundt.
- Wilhelm Wundt
- Date:
- 1893
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Credit: Grundzüge der physiologischen Psychologie / von Wilhelm Wundt. Source: Wellcome Collection.
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![beiden an die schwarzen Mittelstücke anstoßenden Sectorenabscbnitte von verschiedener Farbe, z. die inneren roth, die äußeren gelb, so er- scheint bei der Drehung auch der mittlere graue Ring in verschiedenen Gontrastfarben, nach innen nämlich grünblau, nach außen violett. Dieselbe Erscheinung lUsst sich noch in der mannigfachsten Weise variiren: immer erscheint der Contrast da am deutlichsten, wo die Helligkeit oder der Farbenton rasch sich ändert; Contrastwirkungen in entgegengesetztem Sinne lassen sich daher nahe neben einander hervorbringen, wenn man Helligkeit oder Farbenton in nahen Abständen in entgegengesetztem Sinne sich ändern lässt. Auch an Nachbildern lassen sich, wie Hering ge- zeigt hat, solche Bandwirkungen beobachteni). Die Nachbilder eignen sich dazu, ähnlich wie die Mischungen an rotirenden Scheiben, wegen der geringen Helligkeits- und Sättigungsgrade, die ihnen, so lange sich nicht starke Contrastwirkungen geltend machen, zukommen; wir haben aber oben (S. 526) gesehen, dass für die wech- selseitige Induction zweier Eindrücke mäßige Hellig- keitsstufen am günstigsten sind. Erzeugt man nun z. B. von zwei nahe bei einander befind- lichen hellen Scheiben auf dunklerem Grunde ein negatives Nachbild, so sieht man zwei dunkle Scheiben, deren jede von einem hellen Lichthof umgeben ist, und an der Stelle, wo die beiden Lichthöfe sich decken, empfindet man verstärkte Helligkeit. Das negative Nachbild des in Fig. 137 dargestellten Quadrates besteht aus einem weißen Bechteck rechts und einem schwarzen links mit einer durch den Randcontrast erzeugten Grenz- zone von verstärktem Helligkeitsunterschied. Außerdem aber erscheint das Nachbild des schwarzen Querstreifens von intensiverer Helligkeit, indem hier der Contrast gegen zwei begrenzende dunkle Nachbilder zur Geltung kommt. Verdunkelt man endlich diese Nachbilder noch weiter durch Projec- tion auf einen schwarzen Hintergrund, so wird der weiße Nachbildstreifen noch mehr in seiner Helligkeit gehoben. Alle diese Versuche, die sich man- nigfach variiren lassen, zeigen, dass die Stärke des Contrastes erstens von der räumlichen Nähe der contrastirenden Eindrücke abhängt, dass sie zwei- tens zunimmt mit der Häufung der inducirenden Einflüsse, und dass sie endlich für bestimmte mäßige Helligkeitsverhältnisse der Eindrücke günstiger ist als für andere. Die letztere Bedingung ist auch offenbar die Ursache, 1) Hering, Sitzungsber. der Wiener Ai<ad. Malli.-naturw. Gl. 3. Abth. LXVI ü. F.XVIII. Auch separat erschienen u. d. T.: Zur Lehre vom Lichtsinn. ].—3. Mit- Iheilung.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21293788_0001_0545.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)