Volume 2
Lehrbuch der Anatomie des Menschen / von C. Gegenbaur.
- Carl Gegenbaur
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Anatomie des Menschen / von C. Gegenbaur. Source: Wellcome Collection.
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![Die Scheidung der primitiven Kopfdarmhöhle vollzieht sich erst hei den höheren Wirhelthieren, und zeigt sich auf sehr verschiedenen Stufen (Eidechsen, Schlangen). Den Säugethieren kommt der Vorgang in früher Embryonalperiode zu. Seitlich und vorne wachsen leistenförmige Vorsprünge (Gaumenplatten) ein und treffen mit der von der Basis cranii ausgehenden Nasenscheidewand median zusammen. Unvollständiger Vollzug dieses Vorganges lässt einen Defect als Gaumenspalte bestehen. Je nach dem Grade des Defectes sind hier wieder einzelne Formen unterschieden. Durch diese morphologische Scheidung wird eine functioneile Differenzirung bedingt. Die aus der Nasengrube hervorgegangene und damit zugleich als Riechorgan fungirende Nasenhöhle dient als Luftweg, und die Mundhöhle bleibt der aufzuiiehmenden Nahrung als Speiseweg überlassen. Erst in dem indifferent gebliebenen Abschnitte der Kopfdarm- höhle (im Pharynx) findet eine Begegnung jener Wege, ja eine Kreuzung derselben statt, welche an dieser Stelle wieder mit neuen Einrichtungen sich verbindet. Von (len Sclileimliäuteii. § 185. Als Sclileimliaiit [Membrana mucosa] wird die Membran bezeichnet, welche alle Binnenräume des Darmsystems anskleidet, sowohl den eigentlichen Darm als auch alle Organe, welche vom Darmsystem aus entstanden, mit ihm im Zusammen- hang geblieben sind oder auch diesen aufgegeben haben. Nach diesen mannig- fachen Beziehungen unterscheiden wir die Schleimhaut in einzelne Strecken (Mund-, Nasen-, Darmschleimhaut etc.). Allen sind bestimmte Charaktere gemeinsam, durch die sie sich von anderen membranösen Bildungen unterscheiden. Eine Bindegewebsschichte bildet die Grundlage der Schleimhaut und ver- bindet sich mittels meist lockeren Gewebes mit den umgebenden Theilen, z. B. der Muskelschichte. Dieses unter der Schleimhaut befindliche Bindegewebe wird als Membrana submucosa unterschieden. Die bindegewebige Grundlage der Schleim- haut wird von einem stets mehrschichtigen Epithel überzogen, von welchem Drüsen- bildungen hervorgingen. Somit finden wir in die Schleimhaut Drüsen eingebettet, von denen traubenförmige, ein Schleimsecret liefernde zwar nicht über alle Strecken verbreitet, aber doch für viele Abschnitte charakteristisch sind. Das Secret des in der Schleimhaut liegenden Drüsenapparates befeuchtet die Schleimhautoberfläche. Durch die Mündungen der Drüsen sowohl als auch durch kleine, meist nur mikro- skopische Erhebungen — Papillen — empfängt die Oberfläche einer Schleimhaut Unebenheiten und gewinnt bei bedeutender Ausprägung der Papillen ein sammt- artiges Aussehen. Außer Drüsen führt die Schleimhaut auch Nerven sowie Blut- und Lymph- gefäße. Die reichlichere Vertheilung von Blutgefäßen, die gegen die Oberfläche, dicht unter dem Epithel, ein engmaschiges Capillarnetz bilden, verleiht der Schleimhaut eine bald mehr, bald minder rothe Färbung. An den äußeren Öffnungen der mit Schleimhaut ausgekleideten Binnenräume setzt sich dieselbe unmittelbar in das Integument des Körpers fort. Die Drüsen der Schleimhäute sind zwar nach den betreffenden Organen und 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123074_0002_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)