Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch.
- Date:
- 1881
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch. Source: Wellcome Collection.
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![erwähnten Anna M. an der linken Palmaraponeurose kund gab, welche aber so hohe Grade erreichen kann, dass ein grosser Theil des Muskel- und Schnensystems in eine starre Knochenmasse verwandelt, und fast jode Bewegung des Körpers unmöglich gemacht wird. Gerade zu der Zeit, als ich die Direction der Kinderklinik in der Charite übernahm, befand sich in derselben ein 12jähriges Mädchen, dessen Krankengeschichte mir leider abhanden gekommen ist, die aber eins der merkwürdigsten Bei- spiele dieser fast allgemeinen Muskel- und Sehnenverknöcherung darbot, wobei aber, so viel ich mich erinnere, ein Zusammenhang mit Rheuma- tismus nicht nachzuweisen war. In einzelnen Fällen [Skinner1)] soll jede Contusion unter Fieber und Schmerz eine solche Knochenbildung in den Muskeln zu Stande gebracht haben. — In Betreff der Behandlung des Rheumatismus habe ich nichts hinzuzufügen. In den acuten Fällen bedienten wir uns wie bei Er- wachsenen und mit demselben günstigen Erfolge entweder der Salicyl- säure 0,2 bis 0,3 zweistündlich in Oblaten, oder noch häufiger des Natr. salicylicum [5 : 120, zweistündlich ein Kinderlöffel2)], in den chronischen Fällen vorzugsweise des Kali hydrojodicum. II. Die Anämie. Die Verminderung der rothen Blutkörperchen und des Hämoglo- bulins, welche wir mit dem Namen „Anämie“ bezeichnen, kommt im kindlichen Alter ausserordentlich häufig, besonders im Gefolge aller mit Säfteverlusten verbundener Krankheiten vor. Kinder, welche an chroni- schen Diarrhöen, an weitverbreiteter Tuberkulose, an Nephritis scarla- tinosa leiden, sind durchweg anämisch. Aber auch solche, die in Folge mangelhafter Ernährung atrophisch werden, in überfüllten Wohnräumen oder in feuchter Kellerluft leben, zeigen in ihrem Aeusseren die Züge dieser Verarmung des Blutes. Von allen diesen Fällen, in welchen die Anämie nur eine secundäre Bedeutung hat, soll hier nicht weiter die Rede sein, vielmehr nur von derjenigen Form, welche sich bei sonst gesunden Kindern entwickelt und im Allgemeinen dieselben Erschei- nungen darbietet, wie die Chlorose der Pubertätsjahre. Man beobachtet diese Art der Anämie durchaus nicht selten schon bei 8—10jährigen Kindern, und fast ebenso häufig bei Knaben wie bei Mädchen. Jeder ‘) Bouchut, Maladios des onfants. p. 903. 2) Auf gewisse Veränderungen der äusseren Haut, wolclie bisweilen im Ge- folge rheumatischerAffectionen auftreten, werde ich bei der Betrachtung der Purpura zurückkommen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2199562x_0698.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


