Lehrbuch der physiologischen Chemie / von W. Kühne.
- Kühne, W. (Willy), 1837-1900
- Date:
- 1868
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![unler einem Deckglaso vorsichtig mit überschüssiger Essigsäure versetzt. Man sieht dann eine schwache aber doulliche Entwicklung von Gasblasen auftreten. Da der Speichel beim Einleiten von Kohlensäure einen meist aus organischen Substanzen bestehenden amorphen Niederschlag giebt, andrer- seits aber beim Stehen des Speichels in kohlensäui'cfreier Luft (über Kali], sich bald ein aus kohlensaurem Kalk bestehendes lläutchen darauf bildet, so hat man angenommen, dass er ursprünglich den löslichen doppeltkohlensauren Kalk enthalte, der durch Verlust von Kohlensaure Anlass zur Abscheidung des einfachen Kalkcarbonats gebe. Immer scheiden sieh jecloch beim Stehen des Speichels auch noch feine aus organischer (Eiwciss-) Substanz be- stehende Körnchen neben den dünnen Platten und Kryslallen des Kalkcar- bonats aus, und es ist deshalb sehr wohl ein anderer Grund für diese Aus- scheidungen denkbar. Die Frage hat wegen der nicht seltenen Ablagerungen von kohlensaurem Kalk in den Speichelgängen, der sogen. Speichelsteine ein weiter reichendes biteresse. Sicher ist, dass der Speichel in kohlen- säurefreier Luft so gut wie in kohlensäurchaltiger diese Häute von Kalk- carbonat absetzt. Eine Einwirkung des Chordaspeichels auf irgend ein Nahrungsmittel ist nicht bekannt, wenn man von der Löslichkeit eines Theiles derselben in Wasser und in schwach alkalischen Flüssigkeiten absieht. Die Menge des abgesonderten Speichels ist durchaus abhängig von der Reizung der Chorda. Bestimmungen der Speichelmengen bei Thieren oder beim Menschen haben deshalb nur dann irgendwelchen Werth, wenn ange- geben w'erden kann, wie die empfindenden Nerven zur Zeit der Versuchs- dauer erregt wurden, welche chemische Beschaffenheit die Nahrung hatte, und wie weit bei Kaubewegungen der Secretionsnerv reflectorisch erregt werden konnte. Bestimmungen dieser Art sind vor der Hand unmöglich und es hat deshalb für jetzt mehr Werth zu wissen, wie sich der Speichel verhalte bei künstlicher Reizung des Nerven. Man kann auf diesem Wege leicht von einem Hunde den Chordaspeichel pfundweise gewinnen, nur ist darauf zu achten, dass der Nerv nicht constant, sondern mit häufiger Unter- brechung, nach Pausen der Ruhe und Erholung gereizt werde. Bis zu einer noch nicht näher bestimmten Menge vermag die Drüse stets gleich zusam- mengesetzten Speichel zu liefern, ja, keine Veränderung des Blutes, z. B. bei sehr reichlichem Getränk, oder bei directer Injeclion von reinem Wasser oder Salzlösungen in die Venen, hat irgend einen Einfluss auf die Concen- tration des Speichels. Nur nach längerer Absondei-ung vermindert sich ganz unabhängig wieder von der Blutbeschaffenheit die Menge der festen Be- standtheile, so dass besonders die der organischen, verbrennlichen Substan- zen selbst um die Hälfte sinken kann. Erst nach längerer Ruhe der Drüse erreicht hierauf der Speichel seine ursprüngliche Concenlration wieder. Beispiele hierfür linden sich in den vielen bekannten Kcsullalen der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2265141x_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)