Lehrbuch der physiologischen Chemie / von W. Kühne.
- Kühne, W. (Willy), 1837-1900
- Date:
- 1868
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![A'ortiaiuing. — Der Miii^cn. auch hier ist durch die annloinischo und cliemische Untersuchung zuerst eine Trennung verschiedener Secrelionen voryAmehmen, ob^^■olll liiiufia genug nur Gemische auch hier auf die Nahrung einwirken. Die Miikroskoi)ische BeobaohtLuig lehrt, dass die Magenschleimhaut mit 2 Arten von Drüsen aus- gekleidet ist, mit den Schleimdrüsen und den Lalxlrüsen, von denen man die Letzteren als specifische secrelorische A|)parate des Magens ansieht. Mit Ausnahme der Portio pylorica kommen diese Drüsen in der ganzen Magenschleimhaut vor, sie sind die Ursache des ])unctirten Aussehens der Schleindiaut und ihrer rölhlichgrauen, selbst braunen Farbe. Nur der Ma- gen eines sehr rasch getödteten und geöffneten Thieres giebt ein ganz rich- tiues Bild dieser Färbung, weil in den meisten Leichen und beim Schlacht- vieh etwas Galle kurz vor dem Tode durch den Pylorus gepresst wird und den schleimigen Uel)erzug des Magens hellgelb, grün oder braun färbt. Die Labdrüson enthalten an ihrem oberen Theile ein deutliches Lun)en und sind mit einer einfachen Schichte grosser, polygonaler, ziemlich durchsichtiger Zellen ausgekleidet, die einen ziemlich grossen Kern und ein feinkörniges, gleichmässiges Protoplasma enthalten. Gegen ^en Funclus verliert sich das Lumön, die Zellen erfüllen den ganzen von der Membrana propria umschlos- senen Raum, und allerniren hier mit weniger durchsichtigen, deren Proto- plasma nicht mehr gleichmässig, sondern von einzelnen gröberen, dunklen und glänzenden Körnchen durchsetzt ist. Nur die tieferen Theile der Drüse sind von solchen Zellen erfüllt. Alle Labdiüsen werden durch Essigsäure durchsichtiger, weil die Kerne der Labzellen sehr zusammenschrumpfen, während das Protoplasma, das dann besonders die überwiegende Menge dar- stellt, aufquillt. ' Umgekehrt verhalten sich die Schleimdrüsen des Magens, die nach Essigsäurezusatz neben den Labdrüsen als dunklere Stränge erscheinen. Dieselben sind von demselben Cylinderepithel, wie die zwischen den Drü- senmündungen übrigbleibende Schleimhauloberfläche ausgekleidet, und stellen gleichsam eineFortsetzung der eigentlichen Schleimhaut vor. \n ihnen reicht das Lumen bis auf den Fundus. Das Epithel dieser Drüsen ist es, welches vermuthlich seines grossen Mucinreichthums w'egen durch Essig- säure getrübt wird, und zwar an der Oberfläche mehr, wie in der Tiefe. Die übrigen bei derSecretion des Magens betheiligten Elemente sind die Blutgefässe, die von Brücke zwischen den Drüsen entdeckten slatlen Muskel- fasern und ein feines Nen'engeflecht. Die Schleimhaut des Magens von L<>ichen und des Schlachtviehs reagirt gewöhnlich in allen Tiefen intensiv sauer, ja meistens ersti-eckl sich diese Reaction bis in die Muscularis und die Serosa, Gewebe, von denen man schon langewusste, dass sie gemeiniglichneutraleoderalkalische Reaction besitzen. Dies führte zu dem Gedanken, dass die saure Reaction in solcher Ausdehnung vielleicht nicht einmal der Schleimhaut selbst während des Lebens zukonnne.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2265141x_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)