Lehrbuch der physiologischen Chemie / von W. Kühne.
- Kühne, W. (Willy), 1837-1900
- Date:
- 1868
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Credit: Lehrbuch der physiologischen Chemie / von W. Kühne. Source: Wellcome Collection.
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![2ö Verdau IUI}.'. — Der Mdgeii. iNach Claude liernavd liissl sich die Reaclion lebender Organe ermitteln, wenn es -eiin-l sie naclH>iniin(lcr mit l'errocuinkaliuM) undeinerEisenoxyd- lösung zu beleuchlen. Solange diese Ueagentien in einem alkalischen Medium zusammenlreften, wird die Bildung von Berliner Blau verhindert, während üie in einem sauern einlrelen kann. Durch Injeclion von Feri-ocyannatriuin in eine Vene und von milchsaurem Eisenoxyd in eine andere, kann man den Uebertritl beidei- Salze auch in den Magensaft während des Lebens er- reichen , und man milsste sonach tiberall da, wo die Schleimhaut während des Lebens und besonders während des Secrelionsacles sauer reagirt, Aus- scheidungen von Berliner Blau finden. In keinem Theile der Magenschleim- haut, mit Ausnahme ihrer Oberllächo und einer sehr niederen obeiiläch- lichen Schichte der Drüsen, ist diess der Fall. Die Thiere müssen natürlich rasch gelödlet werden und der Magen zur Vermeidung nachträglicher Dif- fusion sofort untersucht oder in Alkohol gebracht werden. Die Beschrän- kung der Reaclion auf die Oborlläche der Labdrüsen ist nach Brücke auch durch die Prüfung mit Lacknuispapier zu erkennen. Ti-ägl man Sei-osa und Muscularis mit einer Scheere von dem Magen eines soeben getödteten Thie- res ab, so ändert ein blaues gegen den Fundus der Drüsen gedrücktes feuch- tes Lackmuspapier die Farbe nicht, während ein rothes sich bläut. Ein zweiter Schnitt, der etwa die Höhe der Drüsen halbirt, verhält sich noch ebenso. Zu diesen Versuchen eignet sich besonders der Drüsenmagen von Tauben und Hühnern, deren Labdrüsen sehr lang sind und durch ihre Zu- sammenstellung dem blossen Auge als einzelne Körner wahrnehmbar wer- den. Die oberflächliche saure Reaction besitzt die Magenschleimhaut aus- schliesslich durch die Labdrüsen, denn die Schleimdrüsen der Portio pylo- rica reagiren im frischen Zustande schwach alkalisch und behalteii diese Reaction auch in einem gleich nach dem Tode entfernten Stücke dieser Ma- gengegend. Clewiuiiuiig des Magensaftes. Anfangs gewann man den Magensaft, indem man Thiere während der Verdauung lödteteund den Mageninhalt sammelte. Spä- ter versuchte Reaumur Magensaft ohne Verunreinigung mit Speisen zu erhalten, indem er die Thiere an Fäden befestigte Schwämme verschlucken Hess, diese w ieder herauszog, undauspresste, ein Verfahren, das insofern zum Ziele führte, als allerdings geringe Mengen eines ziemlich reinen Magensaftes wirklich ge- wonnen wurden. Der Zufall hat endlich denAnstoss zu einer Methode gege- ])en, nach der wir heute allgemein die Secretion des Magens studiren. Nach- dem zuerst Helm (1 803) zwei Magenfisteln beim Menschen, die nach einer nicht verschliessbaren Wunde, welche die Bauchdecken und Magenwände gelrofien hatte, zurückblieben, beobachtet und zu Untersuchungen über den ifagen- saft und die Magenverdauung benutzt hatte, stellte Deaurnont (1834) aus- führlichere Beobachtungen an der Magenfistel eines Canadischen Jägers an.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2265141x_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)