Die Infections-Krankheiten vom ätiologischen und hygienischen Standpunkte : systematische Zusammenstellung der wichtigsten Forschungs-Ergebnisse auf dem Gebiete der gegenwärtigen Infectionslehre / von Josef Nowak.
- Nowak, Josef
- Date:
- 1882
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Credit: Die Infections-Krankheiten vom ätiologischen und hygienischen Standpunkte : systematische Zusammenstellung der wichtigsten Forschungs-Ergebnisse auf dem Gebiete der gegenwärtigen Infectionslehre / von Josef Nowak. Source: Wellcome Collection.
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![Käfer, besonders Maikäfer, Schmetterlinge, Raupen, namentlich Seidenraupen, gehen häufig massenhaft durch ?]pidemien zugrunde welche auf Pilzwucherungen in diesen Thieren zurückgeführt wer- den müssen. Ebenso ist mit Sicherheit nachgewiesen, dass durch Invasion und Wucherung gewisser Schimmelpilze der Mensch geschädigt und krank werden kann. Das Sauerstoffbedürfniss der Schimmel- pilze, sowie der Umstand, dass sie im allgemeinen bei niedrigeren Temperaturen als die im menschlichen Organismus herrschende ist, gedeihen, ist ihrer Entwicklung im Innern des mensch- lichen Organismus in der Regel hinderlich, dagegen wer- den die äusseren Theile des Körpers, welche der Luft zu- gänglich sind, von diesen Pilzen befallen. Favus oder Erbgrind, verschiedene Flechtenformen, Herpes und Pityriasis sind ebenfalls parasitische Hautkrankheiten des Men- schen, von Pilzen verursacht. Bei gewissen Entzündungskrankheiten des Ohres, auf der Fläche brandig abgestorbener Körpertheile finden sich oft Schimmelpilze, welche durch ihr Wachsthum Reizungs- zustände bedingen. Der Pilz, der die eben erwähnten Hauterkrankungen verursacht, ist sehr wahrscheinlich durchgehends derselbe. Nach den Untersuchungen von Grawitz ist er identisch mit dem Oidiura lactis, und die verschiedene Grösse der Fäden und Conidien, die man bei den einzelnen Affectjjonen constatirt, ist wahrscheinlich nur durch die Verschiedenheit des Nährbodens bedingt. Zur Zeit tragen diese Pilze noch verschiedene Namen. Der Favuspilz heisst Acho- rion Schönleinii, der Herpespilz Trichophyton tonsurans und der Pilz der Pityriasis Microsporon furfur. In seltenen Fällen findet man Fadenpilze auch in tief gelegenen Körperparenchymen. Israel fand Pilze in Abscessen, die sich theils in der Umgebung cariöser Zähne, theils in der Nähe von Lungencavernen, theils in Leber, Milz, Nieren entwickelten. Vor etwa zwei Jahren erschien eine interessante Ai'beit von Gra- witz'), aus der hervorgeht, dass gewöhnliche Schimmelpilze (Penicillium glaucum)dur ch künstlicheZüchtung aus harmlosen Verwesungsschmarotzern in hervorragend pathogene Orga- nismen übergeführt werden können. Schimmelpilze, die bei gewöhnlicher Zimmertemperatur auf sauerem Nährboden vegetiren, gewöhnte Grawitz allmälig durch fortgesetzte Culturen an einen flüs- sigen alkalischen Nährboden von 38 bis 40 C. Sporen solcher Pilze in die Blut- und Lymphbahnen injicirt, bildeten Metastasen in der Leber, Nieren, Lungen u. s. w., begannen nach 24stündiger Incu- bationsdauer zu wuchern und stellten in drei bis vier Tagen ein dichtes Gewebe von Pilzrasen dar, besonders zahlreich in den Nieren, deren Epithel dabei einer körnigen Trübung und Fettmetamorphose anheimfällt, dann im Darm, in den Lungen, Muskeln. Von der Bauchhöhle aus dringen die Pilze in die Lymphe und von da in ') Grawitz, Virchow's Archiv Bd. 81, p. 361.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2229465x_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)