Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1895
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Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
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![zu('k(M' i^lcichgestclli bleil)t. Eine selir zweckmässige Vorrichtung ist es nun, dass — von Spuren abgesehen — an keiner Stelle des Körpers der Traubenzucker, solange er in physiologischen Mengen im IVlute ki'cist, in die Secrete übergeht, insbesondere nicht in das Secret der Nieren. Ware es anders, so würde ein höchst wertvoller NälirstofF verschwendet. Von diesen, unter noi-malen Ernährungsbediugungen sich ah- spi('leud(Mi Verliältnissen können nun nach zwei Richtungen hi]i Verschiebungen erfolgen: 1. Der Kohlenliydratzulhiss ist Idcinei- als der Bedarf. 2. Der Kohlenhydratzufluss ist grösser als der Bedarf. V. Schicksale der Kohlenhydrate hei KohlenhydratniaHgel (Glykogeiiverarimmg; Zuckerhildimg aus Fett). Wenn das Missverhcältnis zwischen kleiner Zufuhr und grossem Bedarf an Kohlenhydrat nur kurze Zeit, einige Stunden oder wenige Tage dauert, so wird zunächst das Reserve-Glykogen in Angriff genommen. Dasselbe, im Verein mit den aus Eiweiss neu- entstehenden Mengen, reicht fürs erste zur Bedienung der Muskeln und anderer zuckerzerstörenden Zellen aus. Schliesslich wird aber der Vorrat durch eine solche Deficitwirtschaft erschöpft. Man findet daher bei Tieren, welche längere Zeit sehr ungenügend ernährt wurden, oder gar völlig hungerten und vielleicht noch starke Muskelarbeit leisteten, nur noch Spuren von Glykogen in Leber- und Muskelzellen — aber wenn man das arterielle Blut solcher Tiere untersucht, so findet man den Traubenzuckergehalt trotzdem auf der gewöhnlichen Höhe (0,12—0,18 pCt.), genau so, als ob man vollernährte Individuen vor sich hätte. Hieraus folgt, dass der Organismus trotz des Nahrungsmangels die Zuckerbildung nicht einstellt. Er stellt auch die Zucker- verbremumg nicht ein, denn in den Muskeln wird bei jeder Arbeits- leistung Zucker oxydiert; freilich kann der Muskel seine Kraft- und Wärmeproduction wohl auch durch Eiweisszerstörung bestreiten, aber eine einfache Rechnung lehrt, dass das unter solchen Um- ständen zerstörte Eiweiss bei weitem nicht hinreichte, um alle Leistungen der Muskulaiiu' zu decken. Wenn wir bei Menschen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21211899_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)