Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1895
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Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
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![auftrat. Nach Ablauf derselben wurde die Leber glykogenfrei angetroffen. Die Glykosurie blieb aus, wenn vor der Piqüre die Leber frei oder arm an Glykogen gemacht war. Letzteres ist zn erzielen durch längeren Hunger, Abhetzen der Tiere, fieberhafte Erkrankung, Unterbindung des Ductus choledochus u. a. Die kaum ernstlich bestrittene Deutung der Versuche geht dahin, dass von der gereizten Stelle des Centralnervensystems eine centrifugale Erregung zur Leber hingetragen wird und dass diese Erregung die Leber zur Ausschüttung ihres Glykogenvorrates ver- anlasst. j\Ianche glauben, dass die prinicäre Erregung in den Bahnen der Gefässnerven ablaufe, andere nehmen lieber eine directe Ein- wirkung der nervösen Erregung auf die Zellen des Organs an. Das ist eine theoretisch interessante, aber doch nebensächliche Frage. Das Wichtigste ist die Thatsachc der plötzlichen Entleerung der Leber von Glykogen. Dasselbe verlässt die Zellen als Traubenzucker; es entsteht Hyperglykämie und daher auch Glvkosurie. Nun wird es verständlich, dass bei glykogenarmen Tieren die Piqüre unwirksam bleibt und ferner, dass die Glykosurie nur beschränkte Zeit dauert, nämlich so lange als die Abgabe des bald reichlich, bald spärlich in der Leber aufgestapelten Glykogens anhält und solange bis der in das Blut geworfene, überschüssige Zucker ausgeschieden oder verbrannt ist. Nach Claude Bernard's Versuchen hat sich die Forschung eifrig diesem Thema zugewandt und es ist mit der Zeit eine grosse Anzahl anderer Eingriffe und Einflüsse bekannt geworden, welche bei Tier und Mensch vorübergehende Glykosurie bewirken. Ich erwähne folgende: Zerstörung des oberen und unteren sympathischen Halsganglions, des ersten Brustgangiions, der Bauchgangiien, anderer sympathischer Nerven; schmerzhafte Erregung peripherer Nerven; psychische Erschütterungen; Verletzung mancher Stellen des Gross- hirnes, Mittelhirnes, Kleinhii'ns. Es scheint überhaupt möglich, von jeder Stelle aus, wo ein plötzlicher, starker, lähmender oder er- regender Eingriff auf das Nervensystem erfolgt, Glykosurie auszulösen. Doch ist auf den positiven Ausfall des Experimentes weder bei Mensch noch Tier ein sicherer Verlass. Man erzielt die Glykosurie in einigen Versuchen und beobachtet sie bei einige]i acuten Ti-aumata](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21211899_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)