Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1895
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Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
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![ziemlich abgeschlossen betrachten. Weiterer Vervielfältigung bedarf es kaum. Man erwartete von ihnen einst wesentliche Vertiefung der Kenntnisse über Diabetes. Die Erwartung ist getäuscht. Das wichtigste, was wir aus den Versuchen lernen, ist, dass der ordnungsmässige Verbrauch der Kohlenhydrate im Körper nicht an die Integrität der Leber sich bindet; denn die schwersten Er- krankungen des Organs bewirken keine spontane und nur sehr selten unbedeutende alimentäre Glykosurie. Es ist daher ver- ständlich, dass die Theoretiker des Diabetes, welche früher mit der allergrössten Ehrfurcht auf die Leber verwiesen, sich immer mehr von diesem Organ, als Krankheitsherd, abgewendet haben. Till. Die (xlykosiu'ie bei Phloritlziiiyergiftimg. (7) Ebensowenig wie die bisher berichteten Versuche hat die Form von Glykosurie, von welcher jetzt die Rede sein wird, das Ge- heimnis des Diabetes gelüftet. Dagegen sind diu'ch die Bekannt- schaft mit ihr wichtige Erfahrungen über Zuckerbildung im Tier- körper zu Tage gefördert. Es handelt sich um die Glykosurie nach Phloridzin-Vergiftung. Phloridzin ist ein Glykosid, welches man aus der Wurzelrinde von Aepfel- und Kirschbäumen gewinnt. Im Jahre 1886 teilte von Mering mit, dass nach Einführung dieser Substanz bei Hunden, Gänsen, Kaninchen im Urin hoher Zuckergehalt auftritt. Giebt man Hunden ca. 1 g Phloridzin pro Kilo Körpergewicht, so enthält der nach einigen Stunden ent- leerte Harn 10 pCt. Traubenzucker und mehr. Die Glykosurie dauert so lange fort, wie Phloridzin gegeben wird. Das gleiche Resultat kann man auch beim ]\lenschen erzielen, für welchen der Genuss von Phloridzin im übrigen keine Nachteile mit sich bringt. Der Zucker erscheint im Harn, gleichgiltig ob vorher Kohlenhydrate genossen waren, ob das Individuum hungerte oder Fleischnahrung verzehrt hatte. Der Zucker trat bei Tieren auch auf, wenn sie so lange gehungert hatten, dass die Tiere gar kein oder nur nocli Spuren von Glykogen in der Leber und den Muskeln Jiaben konnten. Wir sehen hier also einen liöchst bemerkenswerten Unterschied zwischen den früher besprochenen Glykosurieu und der Glykosurie nach Phloridzin-Vergiftung. Wir sehen sofort, dass für die beideii](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21211899_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)