Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1895
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
45/230 (page 33)
![dieser Hypothese gelangt der Zucker in normaler Weise aus dem Verdauungscanal in das Blut, er kann in normaler Weise in Lebei-, Muskeln etc. abgelagert werden, aber seine weitere Verwendung ist gestört. Er fiiesst an den Zellen des Körpers ganz oder teil- weise unbenutzt vorüber und häuft sich, durch immer neuen Nach- schub aus Nahrungs-Kohlenhydraten und aus zerfallendem Eiweiss vermehrt, im Blute an imd wird dann von den Nieren ausgeschieden. Es bleibe zunächst dahingestellt, welcher Art die Schädlichkeit ist, auf deren Einwirkung hin die Zellen und Gewebe an zucker- zerstörender Kraft einbüssen. Das können nervöse Einflüsse sein; es können aber auch der Ausfall eines (vielleicht von Pankreas gelieferten) Fermentes oder die Beimischung eines vergiftenden Stoffes zum circulierenden Blute die Vermittlung übernehmen. Dieser Hypothese von der Herabsetzung der zuckerzerstörenden Kraft der Gewebe steht eine sehr mächtige Stütze zur Seite in den Resultaten, welche sowohl Leo, ELanriot, wie auch Weintraud und Laves bei der Untersuchung des respiratorischen Gaswechsels bei Diabetikern erhielten. Es ist bekannt, dass der Mensch bei gemischter Nahrung weniger COo abgiebt, als Oo aufnimmt. Das Verhältnis ist im Durchschnitt wie 9 : 10. Man drückt dasselbe durch den Bruch 0.9 aus und nennt denselben: „respiratorischer Quotient. Dieser Quotient wird grösser, wenn im Körper vor- wiegend Kohlenhydrate verbrannt werden, z. B. nach einer zuckei- reiclien Malzeit; er wird kleiner und näliert sich der Grösse 0.7, wenn im Körper vorzugsweise iVlbuminate und Fette verbrannt werden, z. B. nach Genuss dieser Stoffe oder nach längerer Hungerzeit. Die genannten Autoren fanden nun, dass bei Diabetikern der ]-espiratorische Quotient im nüchternen Zustande auffallend tief liegt und dass er durch den Genuss von Kohlenhydraten, im Gegensatz zum Gesunden, nicht wesentlich vergrössert wird. Die Thatsachen sind von grosser Tragweite und lassen sich, ohne den Dingen Gewalt anzuthun, kaum anders deuten, als durch die An- nahme, dass die Zellen des diabetischen Organismus die Zersetzung der Kohlenhydrate ablehnen. Diese . Auslegung steht allerdings in directem Widerspruch zu Experimenten von Chauveau und Kaufmann: Sie unter- suchten das Blut der Art. und Ven. cruralis bei gesunden und von Noordon, Zue.kei'kruiiklicit und iliic Bidiaudluuj;. •>](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21211899_0045.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)