Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1895
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Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von Carl von Noorden. Source: Wellcome Collection.
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![leiditer und mit fortschreitender Erkrankung und Atrophie des Organs später ein scliwerer Diabetes entsteht (Sandmeyer 8); dieses spricht in schärfster Weise für die Einheit der Ursache und für die nur quantitative Abstufung der beiden Formen. — Progno- stisch freilich sind Unterschiede vorhanden. Sie sind vergleichbar den Unterschieden, welche zwischen einer sehr chronisch, mit starken ' Bindegewebsneubildimgen verlaufenden Lungentuberculose und einer acuten käsigen Lungenphthise bestehen. Beides ist im Grunde dieselbe Krankheit und doch welcher Unterschied in Verlauf und Prognose! 3. Wenn See gen darauf hinweist, dass die Kohlenhydrate der Nahrung sehr viel mächtiger die Glykosurie erregen, als die im Körper aus Albuminaten entstehenden Kohlenhydrate, so ist die Thatsache freilich anzuerkennen. Sie tritt namentlich bei den Uebergangsformen (cf. pag. 61) scharf hervor. Dennoch ist es nicht erlaubt, hieraus auf qualitativ verschiedene Verwendung der Kohlenhydrate beiderlei Ursprungs zu schliessen. Der Unterschied bleibt ein rein quantitativer und ist in folgender Weise zu erklären: a) Die Geschwindigkeit, mit welcher das per os eingeführte Kohlenhydrat in die Circulation tritt, ist viel grösser, als die Ge- schwindigkeit, mit welcher der Zucker aus dem langsam resorbierten und langsam zersetzten Eiweiss entsteht. Dem langsam anlangenden Zucker waren die Zellen gewachsen, dem schnell eintretenden Zucker dagegen nicht (cf. pag. 58, 60). b) Der Nahrungszucker wird den Zellen als fertiges Molekül (Traubenzucker) zugetragen und umspült sie von aussen; der aus Eiweiss entstehende Zucker nimmt in den Zellen selbst seinen Ursprung und steht den Zellen in statu nascendi zur Verfügung. Es ist leicht verständlich, dass dem werdenden Molekül gegenüber die Angriffskräfte der Zellen ausreichen, während sie dem fertigen Molekül nicht gewachsen sind. 3. Vorschriften zur Messung der Intensität der Glykosurie. Wenn es richtig ist, dass starre Formen für die Glykosurie „leichter und „schwerer Art nicht existieren, so dürfen nur praktische Bedürfnisse vorschreiben, mit welchem ]\Iassstab wir die Beeinträchtigung des Zuckerverbi'auclis messen sollen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21211899_0075.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)