Eine biographische Skizze Dupuytren's als Spiegel für deutsche Wundärzte / von Dr. Nevermann.
- Nevermann, Johann Friedrich Wilhelm, 1803-1850.
- Date:
- [1849?]
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Credit: Eine biographische Skizze Dupuytren's als Spiegel für deutsche Wundärzte / von Dr. Nevermann. Source: Wellcome Collection.
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![davon, dass er gründliche wissenschaftliche Bildung besass, Umsicht der Behandlung, Kaltblütigkeit und Kühnheit zeigte, so operirle er doch lieber, obgleich seine Hand schon zitterte. Er irrte auch mitunter gewaltig und wenn er den Irrthum nicht vertuschen konnte, so gestand er ihn ein, vorzugsweise aber wurden durch besoldete Trompeter die glücklichen Fälle aus- posaunt; die unglücklichen aber verschwiegen. Dupuytren besass dabei einen leidenschaftlichen Hochmuth, eine eingelernte Grobheit, eine grosse Verachtung der Collegen, einen Stolz, eine Herrschaft und einen Despotismus, wie Niemand vor ihm; sehr auffallend ist daher das spätere, gegen Walpole gegebene Selbstgeständniss, und — grosse Geister wollen unumschränkt regieren; aus diesem Grunde erwähnt er nie irgend einen seiner Collegen. „Es gibt,“ sagt ein medicinisches Journal gegen Dupuytren, „einen wissenschaftlichen Glauben, der besonders von dem Lehrer, dem Kliniker gefordert wird, es ist die Ge- rechtigkeitsliebe, welche dem Kaiser gibt, was des Kaisers ist, die unter allen Bedingungen nur das Wahre, Beste, Vernünftige will. Sie verbirgt keine Fehler aus Furcht vor dem Publikum, und vor der gekränkten Eigenliebe; wenn denn ein solcher Mann zu behaupten wagt, dass auf allen Cathedern und in allen Büchern der europäischen Chirurgie nur sein Name genannt .werden müsse, und dass es überhaupt nur eine Dupuy- tren’sche Chirurgie gebe, wenn er dabei glauben machen will, J dass seine unfruchtbaren Collegen, nichts, gar nichts erfinden, < nichts verbessern können, schmutzige Dummbärte sind, die . nichts ohne seinen Befehl, oder ohne seine Bewilligung thun dürfen, und dass die französische Chirurgie nichts anderes sei, i als die seines Hospitals; wenn er auf orientalische Weise ab- solut zu regieren und ein chirurgisches Papstthum zu errichten sich bestrebt; wenn er zu wünschen scheint, dass alle Arbeit in ihm beginne und in ihm aufhöre; wenn er mit Allen unzu- frieden, die schmeichelhaftesten, ihm zu Theil gew ordenen Lobes- erhebungen als unzureichend erachtet, und dessen ungeachtet ] sie doch wieder auf dem charlatanmässigen Wege ängstlich ^ wünscht und sucht, ja sich durch die unbedeutendste Kritik I beleidigt und gleich einer 70jährigen Jungfer genolhzüchtigt ( fühlt und darüber schreit, wenn er endlich statt das aufkeimencle i Talent zu ermuthigen, in diesem später nur glücklichen Neben- i buhler fürchtet, die ihm vielleicht das chirurgische Scepter ent- rj reissen könnten und solche nun verfolgt, — so mag er sich i](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22313862_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


