Die Fremdkörper des Magen-Darmkanals des Menschen / von Anton Wölfler und Viktor Lieblein.
- Anton Wölfler
- Date:
- 1909
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Credit: Die Fremdkörper des Magen-Darmkanals des Menschen / von Anton Wölfler und Viktor Lieblein. Source: Wellcome Collection.
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![doch, daß bei vielen Fällen, welche unter Darmstenoserscheinungen tödlich geendet haben, die Würmer nur einen zufälligen Befund darstellten und auf Grund einer unvollständig gemachten Sektion als Todesursache an- erkannt wurden. Andere Autoren, wie Boas, Ewald, Nothnagel, geben in ihren Lehrbüchern die Möglichkeit eines Ileus verminosus zu, wenngleich sie über eigene Beobachtungen nicht verfügen können. Wenn wir nun auch mit Leichtenstern einer Reihe von Fällen aus der älteren Literatur (Cox, Edinburgh Medic. Journal 1859; N e u f f e r, Württemberger Korrespondenzblatt 1861; B a r k i n s o n, Schmidts Jahrbücher 1837, pag. 40) eine Beweiskraft nicht zuerkennen können, so ist doch in der neueren Literatur eine Reihe von ausgesproche- nen Fällen von Ileus verminosus, zum Teil auch mit tödlichem Ausgang beschrieben. Es nimmt schließlich nicht wunder, wenn man sich ver- gegenwärtigt, daß ein menschliches Individuum gleichzeitig mehrere Hundert von Askariden in seinem Darmkanal beherbergen kann. So berichtet FauconeauDufresne (zitiert nach Braun-Seifert, pag. 526) über einen Fall, in welchem ein Knabe innerhalb eines Tages 600 Askariden und im Verlauf von 3 Jahren 5126 Würmer entleert hat. Tschernomov berichtet, daß ein 21/2]ähriger Junge während eines Tages 208 Würmer, teils durch den Brechakt, teils durch den Stuhl ent- leerte. Bei der ausgesprochenen Neigung der Askariden, sich zu schwer zu entwirrenden Knäueln zu verwickeln, können derartige Knäuel auch sehr leicht einmal zu Obstruktionserscheinungen führen. Wir haben in unserer Kasuistik, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebt, eine ganze Reihe von Fällen zusammengestellt, bei welchen ohne das Vorhandensein einer Verengerung des Darmes lediglich durch die Askariden die Erschei- nungen des Ileus hervorgerufen worden sind. Gewöhnlich waren die As- kariden zu einem Knäuel zusammengeballt und ihre Zahl eine ziemlich bedeutende. Sie betrug z. B. im Falle M i y a k e 83, im Falle S t e p p 50, im Falle Pietrazevsky 42. Im Gegensatz hierzu genügten im Falle Rocheblave bereits 3 Würmer zur Entstehung der Darmob- turation. Die obturierenden Wurmknäuel, von welchen in den Kranken- geschichten ausdrücklich erwähnt ist, daß sie den Darm vollständig ver- schlossen, daß der über ihnen befindliche Darmabschnitt dilatiert, der darunter befindliche dagegen kontrahiert war, waren für gewöhnlich im Dünndarm und zwar im unteren Dünndarm gelegen, ausnahmsweise im Cöcum (Stepp, Pietrazevsky) oder im Colon transversum (Rocheblave). Eine derartige Anhäufung von Würmern an einer um- schriebenen Partie des Darmes geht natürlich nicht ohne eine schwere Schädigung der Darmwand einher. Die Darmwand wird entzündlich verändert, sie wird so verdünnt, daß man die darunter befindlichen V ürmer durchsehen kann, und häufig hatte der Ileus verminosus auch eine Peri- tonitis im Gefolge (Breitenstein, Stepp, Pietrazevsky, M o s 1 e r). Die mechanische Verlegung des Darmlumens durch einen Wurm- knäuel, dessen Größe mit dem Größenverhältnis des Darmes im V ider- spruch steht, ist aber nicht die einzige Art des durch Askariden bedingten Darmverschlusses. In einer Reihe von Fällen wurde durch die Anwesen- heit der Würmer im Dünndarm eine spastische Kontraktion des Darmes hervorgerufen, welche zur Darmstenose geführt hat. Fälle dieser Art sind von Heidenhain, Hagedorn und Schulhof beschrieben](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28083398_0416.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


