Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtniss / von G.E. Müller und A. Pilzecker.
- Müller, G. E. (Georg Elias), 1850-1934.
- Date:
- 1900
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Credit: Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtniss / von G.E. Müller und A. Pilzecker. Source: Wellcome Collection.
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![gelingen sclieine, die Silben oline äuiserliche Taktierimg und aucli ohne innerliche Zusammenfassung zu Takten zu erlernen. In der Regel aber schlofs sich ein Teil oder auch die Gesamt- heit der Silben innerlich paarweise aneinander an. Auch kam es vor, dafs einige Silben der Reihe rein mechanisch hergesagt wurden, wobei dann natürlich ein Bewufstsein des Gepaartseins der Silben fehlte. Bei den späteren Versuchen erschien es uns, als ob sich die Silben innerlich stets paarweise aneinander- schlössen. Zuweilen war diese innerliche Zusammenfassung der Silben auch äufserlich von einer für den Versuchsleiter bemerkbaren, schwachen Taktierung der ausgesprochenen Silben begleitet. Ob der Unterschied zwischen den Ergebnissen der früheren und der späteren Selbstbeobachtungen darin seinen Grund hat, dafs wir später viel mehr im taktmäfsigen Lernen geübt waren, oder darin, dafs die Schärfe unserer Selbst- beobachtung im Laufe der Zeit zugenommen hat, läfst .sich nicht entscheiden. Da infolge des Umstandes, dafs wir in der Regel trochäisch lernten, bei diesen Versuchen eine Neigung zum trochäischen Rhythmus zu bekämpfen war, so trat ge- legentlich, sozusagen infolge einer zu energischen Bekämpfung dieser Neigung, eine für den Versuchsleiter bemerkbare, schwache jambische Taktierung auf. Je gröfser die Rotations- geschwindigkeit der Trommel war, desto schwieriger erschien es, die Silben auseinanderzuhalten. Endlich zeigte sich, dafs, wenn man sich bemüht, die Silben als einzelne aufzufassen und auszus]3rechen, eine Neigung vorhanden ist, eine gegebene Rotationsgeschwindigkeit der Trommel für gröfser zu halten, als dann, wenn man die Silben in üblicher Weise zu Takten zusammenfafst. Dies erklärt sich im Sinne der Ausführungen, welche der eine von uns in dieser Zeitschrift^ IV, 1892, S. 14 ff., gegeben hat, einfach daraus, dafs im ersteren Falle das Auffassen und Aussprechen der Silben eine gröfsere Anstrengung er- fordert, als im letzteren Falle. Obwohl uns nun, wie bemerkt, ein völliges Auseinander- halten der Silben entweder gar nicht oder nur äufserst selten gelang, so ergaben doch selbst diese Versuche, völlig ohne rhythmische Gliederung der Silben zu lernen, bedeutend höhere, etwa doppelt so hohe, Werte von w. als die gewöhn- lichen Lernversuche. Und allgemein hat sich gezeigt, dafs nur wenige Silbenreihen, von denen die einen mit rhythmischer](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28111916_0139.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)