Lehrbuch der gesammten Psychotherapie : mit einer einleitenden Darstellung der Hauptthatsachen der medicinischen Psychologie / von L. Löwenfeld.
- Leopold Löwenfeld
- Date:
- 1897
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Credit: Lehrbuch der gesammten Psychotherapie : mit einer einleitenden Darstellung der Hauptthatsachen der medicinischen Psychologie / von L. Löwenfeld. Source: Wellcome Collection.
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![Metrorrhagien etc.) entstehen. Auch für die Lokalisation der durch gemüthliche Erregungen verursachten dauernden Leiden sind die angegebenen Verhältnisse von Gewicht. In welcher Weise die Heilwirkungen peinlicher Affekte bei nicht nervösen Erkrankungen, wie Gichtanfällen, rheumatischen Affektionen, zu Stande kommen, hierüber ermangeln wir noch jeder Aufklärung. Der günstige Einfluss, welchen freudige Affekte und Stimmungen auf zahlreiche nicht nervöse Krankheiten aus- üben, dürfte sich hauptsächlich aus der förderlichen Einwirkung dieser Gemüthszustände auf die Thätigkeit des Cirkulations- und Verdauungsapparates erklären1); diese spielt jedenfalls auch bei den Heilaffekten, welche freudige Erregungen bei nervösen Leiden herbeiführen, häufig eine bedeutende Rolle. Die Freude ist ein mächtiges Tonicum für das Nervensystem. Sie erleichtert die willkürliche Bewegung und den Ablauf des Vorstellens, — sie er- leichtert auch die Verdrängung unangenehmer körperlicher Sen- sationen und peinlicher Erinnerungen aus dem Bewusstsein und kann direkt krankhafte Vorstellungen mit ihren Folgen beseitigen2). Die nervösen Affektionen, welche im Gefolge von Gemüthsbeweg- ungen schwinden, gehören vorwaltend dem Gebiete der Hysterie an. Auch bei diesen Heilungen handelt es sich um Vorgänge verschiedener Art. Man hat z. B. öfters Beseitigung länger be- stehender hysterischer Stummheit durch Schrecken beobachtet. In diesen Fällen überwindet die Affekterregung die wahrscheinlich intracortikalen Hemmungen, welche die willkürliche Innervation !) Es ist übrigens wahrscheinlich, dass die freudigen Affekte und Stim- mungen auch direkt anregend auf den Stoffwechsel wirken; dass die depressiven Affekte Anomalien des Stoffwechsels steigern und direkt verursachen können, unterliegt keinem Zweifel (Auftreten von Diabetes und Gichtanfällen, Bildung von Toxinen in der Milch stillender Frauen im Gefolge von peinlichen Affekten, Veränderung des Fleischgeschmackes vor der Tödtung gehetzter und geängstig- ter Thiere [Mariot]). 2) Ein mit einer hysterischen Arthralgie eines Fussgelenkes behaftetes junges Mädchen meiner Beobachtung nahm hinkend an dem Maifeste ihrer Klasse Theil; als die Spiele begannen, minderte sich das Hinken und später wurde beobachtet, dass das Mädchen sich ebenso frei umhertummelte wie die übrigen Kinder; sie war von ihrer Arthralgie befreit. Unter der Freude des Spieles verschwand die Vorstellung, dass das Gehen Schmerzen im Gelenke verursachen müsse, und hiemit auch der Schmerz und das Hinken.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21015508_0066.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


