Handbuch der Lehre von der Verbreitung der Cholera und von den Schutzmaassregeln gegen sie : nach einem neuen Desinfectionsplane bearbeitet / von Friedrich Küchenmeister.
- Friedrich Küchenmeister
- Date:
- 1872
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Credit: Handbuch der Lehre von der Verbreitung der Cholera und von den Schutzmaassregeln gegen sie : nach einem neuen Desinfectionsplane bearbeitet / von Friedrich Küchenmeister. Source: Wellcome Collection.
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![2) Das mangelhafte Verbrennen oder Ver- sengen der Leichen (Semicombustio). Wenn wir die indischen Berichte über die Hardwarcholera lesen, so sehen wir, dass eine grosse Anzahl Choleraleichen nur halb ange- brannt, angesengt und dann so liegen gelassen oder in den Ganges geworfen werden. Man nahm sich eben nicht die Zeit, sie zu verbrennen, hatte auch wohl nicht genug Ma- terial hiezu, und glaubte, dem Gesetze durch das Ansengen Genüge gethan zu haben. Wenn wir diese Mittheilungen betrachten, dann wird Einem das ganze Treiben erst klar, das wir von den römischen Satyrikern gegeisselt sehen. — Betrachten wir einmal das, was die Neueren und was die Aelteren (Böttiger) über die Bestattung der Armen in Rom sagen. Die Neueren lassen die grosse Mehrzahl, ja fast die Gesammtheit der untersten Klassen nicht verbrannt, sondern begraben werden. Die Bestattung erfolgte in Familienbegräbnissen (für welche jede Familie ihreh besondern ßegräbnissplatz hatte); in Columbarien (grossen Gewölben mit langen übereinander liegenden Reihen kleiner, Taubenhäusern ähn- lichen Nischen, von reichen Familien für ihre Freigelassene und deren Nachkommen, besonders von Kaisern für ihre Sclaven und Freigelassenen, oder auch für Arme und solche, die kein Geld zu einem besonderen Familienplatz hatten, errichtet und als Begräbniss von Speculanten zum Einzelver- kauf der Stellen [loci und jus tituli] auf öffentlichen, oft von wohlthätigen Reichen dem Gemeinwesen zum Geschenk gemachten Begräbnissplätzen erbaut*). *) Die in grossartigem Style angelegten Einzelgräber (Mausoleen) bergen bald die Leichname, bald die Asche der Glieder der reichsten und berühmtesten Familien. Sie befanden sich theils auf deren Landsitzen, meist aber an den berühmtesten Strassen (die berühmtesten unter ihnen an der berühmtesten Strasse, der Via Appia). Ausserdem dienten die Mausoleen als Grab- stätten einzelner grosser Staatsmänner, Heerführer und Kaiser.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22301860_0494.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)