Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1931
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![grenzen bestimmten Werte bedürfen keiner Temperaturkorrektur. Die größten Fehler, welche nämlich unter diesen Bedingungen zustande kommen können, betragen dz 3% (20° C als mittlere Zimmertemperatur angenommen). Bei größeren Abweichungen der Temperatur addiert man für jeden Grad über 20° je 0,8% des gefundenen Wertes und subtrahiert man für jeden Grad unter 20 0,8%. Hess gibt auch ein größeres Laboratoriumsmodell mit Wassermantel zur Erreichung konstanter Temperatur heraus. Für die Vermeidung und Beseitigung von Störungen und Fehlerquellen werder dem Apparate besondere Vorschriften mitgegeben; besonders notwendig ist die stete und so¬ fortige Reinigung der Blutcapillare mit konzentriertem Ammoniak. Nach der Ablesung des Viscosimeterwertes muß man die Blutsäule aus der Meßröhre und der Capillare zurück¬ treiben, sofort mehrmals mit Ammoniak reinigen. Man tut gut, sich in den Gebrauch des Instrumentes mit Zuckerlösungen, Alkohol, Blutserum usw. einzuüben, damit nicht bei der ersten Anwendung für die Viscosimetrie des Blutes der Ungeübte Gerinnung bekommt und das Instrument zur Reparatur schicken muß. Die Viscosität ?j ist eine komplexe Größe und von zahlreichen Faktoren abhängig. Dabei sind die Änderungen bei hohen -Werten besonders starke, weil die Zunahme der r\-Werte nach einer Hyperbelkurve und nicht nach arithme¬ tischer Progression erfolgt (Begründung s. Hess1). So sieht man schon auf geringe Stauung i) bedeutend ansteigen. Mithin ist die Viscosi- tätsmessung besonders berufen, die Blutentnahme (S. 6) zu kontrollieren. Mit dieser Methodik ist es dann auch leicht, zu zeigen, daß Venenpunktionen oft in unberechen¬ barer Weise gestautes Blut liefern, während nach warmem Handbade das arterialisierte Blut immer in konstanten Werten herausströmt (zahllose eigene Kontrollen). Der Viscositätswert des Blutes ist nach heutigem Wissen und eingehenden eigenen klinischen Studien von folgenden Faktoren abhängig: 1. vom Viscositätswert des Serums oder Plasmas = r\x und rj2; 2. vom Gesamtvolumen der roten Blutkörperchen (wichtigster Faktor!) und damit auch von der Zahl der R.; 3. vom Hb.-Wert; fast immer entspricht aber dem höheren Hb.-Gehalt auch ein größeres R.-Volumen; 4. bei erheblicher Leukocytose von L.-Zahl und dem L.-Volumen; 5. von der Größe und dem Volumen der Einzelzelle der R.; 6. von der Beschaffenheit dieser Zellen, z. B. von der Hb.-Füllung und dem Wassergehalt, aber auch von dem inneren Bau der R.; 7. von der Kohlensäure des Blutes. Es ist nicht möglich, alle Punkte eingehend zu begründen, und ich muß auf die Arbeiten von Hess, Determann (Monographie), Adam, Kagan ver¬ weisen; dagegen will ich doch alles Wichtige kurz durch einige Beispiele belegen. 1. Die Werte des Serums betragen normal 1,7—2,0 (Plasma -j- 0,2—0,3). Mein tiefster Wert war 1,45 (Perniciosa), mein höchster 2,84—2,60, wiederholt im Laufe eines Jahres bei einer Patientin mit Arthritis chron., dabei R.-Werte zwischen 4,2 und 4,5, Hb.-Zahlen zwischen 92 und 70; also stets hohe Eiweißwerte (9—10%). Da die Salze an sich auf die innere Reibung keinen Einfluß haben (Hess) und der Kohlensäuregehalt keinen merklichen Einfluß auf den Serumwert, so ist dieser so gut wie ganz vom Eiweißgehalt abhängig und kann für diesen als wichtiger indirekter Anhaltspunkt dienen. Erniedrigter ^-Befund zeigt mit Sicherheit Hydrämie an, während aus später zu erwähnenden Gründen normale Werte in seltenen Fällen (Nephritis) Hydrämie nicht ganz ausschließen. 2. Die Abhängigkeit des r\ von der R.-Zahl ist augenfällig und verrät sich (bei Färbeindex 1,0!) durch eine Hyperbelkurve, die bei steigender R.-Zahl rapid in die Höhe geht. Auf S. 62 findet sich bei gleicher R.-Größe die \Tiscosi- tätskurve der steigenden R.-Volumenprozente in einem Koordinatensystem. Die Abhängigkeit der Viscosität {r\ — ?]2) ist so groß, daß daraus eine Methodik Hess: Pflügers Arch. 140 (1911). i](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928813_0062.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)