Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli.
- Otto Nägeli
- Date:
- 1931
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Credit: Blutkrankheiten und Blutdiagnostik : Lehrbuch der klinischen Hämatologie / von Otto Naegeli. Source: Wellcome Collection.
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![Störungen entstehen für die Bestimmung nur durch stark ikterisches oder chylöses Serum, weil die Grenzlinie unscharf wird. Unbrauchbar sind die Werte bei Urämie und Diabetes, weil jetzt neue lichtbrechende Substanzen ins Serum hineinkommen. Abnormen Fettgehalt vermeidet man durch Untersuchung in den Vormittagsstunden. Der refraktometrisch gewonnene Eiweiß wert verrät uns fast genau auch als Ergänzungswert den H20-Gehalt, z. B. 8°/0 Eiweiß, mithin 92°/0 H20, so daß die beste Ermittlung der Hydrämie gewonnen ist. Es ist aber nie ersicht¬ lich, ob eine Refraktionsänderung absolut (durch Eiweißzu- oder -abnahme) oder relativ (durch Wasserein- und -austritt) entstanden ist. Darüber kann nur eine gleichzeitige Berücksichtigung weiterer Befunde (z. B. Hb.-, Erythro- cyten- usw. Änderung) aufklären. Kurze Stauung einer Vene erhöht den Ei¬ weißwert bis zu 0,4°/0 Eiweiß, langdauernde Stauung aber ergibt enorme Ver¬ mehrung (viele eig. Beob.). Es ist also Venenblut nicht zu empfehlen. Die Kohlensäure des Venenblutes zeigt keinen Einfluß auf den Refraktionswert. Das arterialisierte Finger beerenblut macht selbst die durch langdauernde starke Venen¬ stauung erzeugten Veränderungen nur in sehr geringem Grade mit. Bei Anwesenheit hoher Globulinwerte und besonderer Globuline entstehen aber Fehler, weil die Brechung für l°/0 Albuminlösung 0,00177 und für l°/0 Globulinlösung 0,00229 (Robertson) beträgt. Petschacher setzt für l°/0 Albumin 0,00191—0,00212, im Mittel 0,00200 ccm. Trotzdem ergibt die Eiwei߬ bestimmung mit der Refraktometrie kaum je einen Fehler, der mehr als 0,3°/0 Eiweiß beträgt und weil der Wert solcher Untersuchungen in der Klinik vor allem in den Schwankungen einer fortlaufenden Kurve gelegen ist, so gleichen sich gewisse Fehler aus und bleibt das klinische Studium der Veränderungen wichtig und genügend zuverlässig. Bei den partiellen Fällungsmethoden zur Bestimmung der Eiweißkörper und nachheriger Refraktometrie müssen zweifellos starke Veränderungen, ja Dena¬ turierungen entstehen, besonders bei der Methode von Robertson (Kochen! unter Essigsäurezusatz). Das Urteil über diese Robertsonmethode lautet heute ablehnend (siehe Schoch [aus meiner Klinik], Deseö, vor allem Starlinger). -— Die vielen Fehler der Robertsonmethode hat Alder1 zusammengestellt. Kurz nach dem Aufwachen sind die Werte am niedrigsten (Veil) und er¬ reichen dann rasch den individuellen Tageswert. Vasomotorische Einflüsse spielen eine große Rolle (Veil). Muskelarbeit macht erhebliche Steigerung (auf 8,6—9,4°/0 Eiweiß, Böhme) ; 20 Minuten Liegen stellt den früheren Wert her. Flüssigkeitszufuhr, sofern nicht enorme Mengen in langer Zeit bei- gebracht werden, ändert minimal oder gar nicht (Strauss, Engel u. Scharl, Reiss, Heitdorfer (eig. Beob.). Nahrungszufuhr bewirkt kaum einen Ausschlag. NaCl-Zufuhr erzeugt bei nüchternem Magen mäßige Eindickung, ist bei vollem Magen ohne Einfluß. Schwitzen und Fieber entwickeln höchstens eine Eindickung von -f 7,3°/0 Eiweiß. Aderlaß erzeugt beträchtliche Hydrämie. Unter krankhaften Umständen finden sich große Unterschiede. Wir er¬ kennen die starke Eindickung des Blutes bei den Ernährungsstörungen der Säuglinge, bei Durchfällen und Erbrechen. Bei Hydrops der Nierenkrankheiten und bei Nephrose ist starke Hy¬ drämie vorhanden (bis 4,5% Eiweiß). Akute Nephritiden zeigen zunächst keine Veränderung. Plethora serosa ist refraktometrisch rasch erkennbar. Kompensierte Herzfehler zeigen Normalwerte; Dekompensation erzeugt Verwässerung. Die Hydrämie ist aber keine konstante. 1 Alder: Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie. (».](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928813_0068.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)